Ferdinand Knauß: Der gelähmte Westen
Shownotes
Am 8. April 2026 präsentierte der Journalist Ferdinand Knauß sein neues Buch „Der gelähmte Westen – Chronik einer Selbstaufgabe“. Dabei zeichnete er die gesellschaftspolitischen und geistigen Entwicklungen in Deutschland seit 1968 nach und führte seine Zuhörer in einer Tour d'Horizon über die 1990er Jahre und den Epocheneinschnitt des 11. September 2011 bis in die Gegenwart. Sein Fazit: Unser Hauptfeind liegt nicht irgendwo draußen, sondern in einer inneren Selbstaufgabe.
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Transkript anzeigen
00:00:06:
00:00:28: Ja meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie heute Abend ganz herzlich hier zu unserer Buchvorstellung mit Ferdinand Knaus zum Thema der gelähmte Westen-Kronik einer Selbstaufgabe.
00:00:42: Dass die liberalen Demokratien der westlichen Welt zunehmend unter Druck geraten, ist eine Klage, die in den Medien regelmäßig zuhören ist.
00:00:51: Als Grund hierfür wird zumeist das Erstärken populistischer Strömungen und vermeintlich autoritäre Regierungen in den Staaten Osteuropas genannt.
00:01:02: Für unseren Gastverdiener Knaus greift diese Erklärung allerdings zu kurz.
00:01:08: Für ihn setzt der Niedergang bereits für über fünfzig Jahren ein, nämlich in der Auseinandersetzung der Kriegsgeneration mit ihren Kindern den Achtundsechzigern.
00:01:19: Die forderten nicht nur die Aufarbeitung historischer Schuld sondern propagierten ganz grundsätzlich den Aufstand gegen das westliche Gesellschaftsmodell.
00:01:29: heute darf der Marsch durch die Institution, den Rudi Dürtschke in nineteen Sechszig pro Klamierte als abgeschlossen gelten.
00:01:37: Die Folge?
00:01:38: Liberale Demokratie ist nicht mehr der Inbegriff eines Regelwerks der pluralistischen Gesellschaft sondern ein politisches Instrument zur Durchsetzung ganz bestimmter universalistischer Ziele.
00:01:50: Da dieser Anspruch in den letzten Jahren erkennbar an seine Grenzen stößt, ist es an der Zeit mit Ferdinand Knaus zu fragen was ist schiefgelaufen?
00:01:59: Welche Fehler lassen sich möglicherweise noch korrigieren oder zumindest nicht wiederholen?
00:02:06: Für den an Knaus, Jahrgang neunzer dreiund siebzig lebt in Düsseldorf.
00:02:11: Nach dem Studium der Geschichte und Japanologie in Düsseldorf, Nord- und Tokio arbeitete er unter anderem für die Wirtschaftswoche und das Handelsblatt.
00:02:20: Zurzeit ist der Redakteur bei der Zeitschrift Cicero.
00:02:24: Zuletzt erschien von ihm, das Buch Merkel am Ende, dass einerzeit ebenfalls in der Bibliothek des Konservatismus vorgestellt wurde.
00:02:33: Lieber Knaus ich freue mich, dass Sie heute wieder einmal bei uns sind und heiße sie in der bibliothek Des konservatismos ganz herzlich willkommen!
00:02:47: Das Mikro kann glaube ich so bleiben?
00:02:49: Ja, glaub man hört mich.
00:02:54: Sehr geehrte Damen und Herren schön, dass die so zahlreich gekommen sind.
00:02:58: Vielen Dank für die freundlichen Einführungsworte, Herr Fenzke.
00:03:01: Sie sind ja auch schon eigentlich in Medias Rees fast gegangen.
00:03:06: Ich fange vielleicht auch mal an mit der Entstehungsgeschichte des Buchs.
00:03:11: Daraus wird auch schon einiges dann klar, was ich worum es mir geht also ist entstanden aus einem kurzeren Essay in Cicero.de den sie auch noch nachlesen können.
00:03:25: Den habe ich geschrieben unter dem Eindruck des Regierungsantritts von Trump und der Rede seines viel zu Präsidenten J.D.
00:03:31: Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar, oder vielmehr war es eigentlich der Eindruck der Empördeneaktion deutscher Politiker- und Meinungsmacher.
00:03:46: Da las man dann so überschriften wie Trump zerstört die liberale Weltordnung, schrieb die Wirtschaftswache mein frühere Arbeitgeber Trumps Triumph, so schrieb der Spiegelchef Kurbjowajt unmittelbar nach der Wahl am achten elften vierundzwanzig schon bedeute das Ende des Westens.
00:04:06: Trump zerstört den Westen und seine Weltordnung, so verkündete der Soziologe Detlef Pollack.
00:04:13: Und man kann eine endlose Menge solcher Anklageschriften konsumieren.
00:04:17: in den Medien haben sie sicherlich auch schon.
00:04:19: Der ungekrönte König dieser Trump zertört den westen.
00:04:23: Prosa ist Joschka Fischer.
00:04:27: Bei Karin Mioskan in der Talkshow sagte der Ex-Außenminister auch ein paar Tage nach der Wahl, Zitat Die Wahl von Donald Trump lässt die These realistisch erscheinen dass es das war mit dem Westen.
00:04:41: und dann Trump zerstört mutwillig die Welt in die ich hineingeborent bin.
00:04:48: ja und dann eben ein paar Wochen später die Reaktionen auf die Events.
00:04:53: Rede in München.
00:04:55: Die wurde fast einhellig, sie erinnern sich bestimmt über das gesamte etablierte Parteienspektrum hinweg und nicht nur in Deutschland als sein Affront gegen die europäischen Staaten und vor allem Deutschland interpretiert.
00:05:07: JD Vance attackiert Verbündete, hieß es irgendwo ich habe jetzt nicht aufgeschrieben wo genau, JD Vence lässt hat über Deutschland und Europa.
00:05:18: Scholz damals noch Bundeskanzler reagierte besonders pumpig.
00:05:22: Das gehört sich nicht, sagt er wörtlich.
00:05:25: Deutschland werde es nicht akzeptieren wenn Außenstehende zugunsten dieser Partei gemeint war natürlich die AfD in unsere Demokratie, in unsere Wahlen und in die Meinungsbildung Deutschlands eingreifen.
00:05:40: aber in der Rede selbst ich habe die mehrmals sehr gründlich gehört und gelesen sagte wenns unter anderem auch wörtliche Ich liebe Deutschland so einig seltsam ist doch keiner froh eigentlich.
00:05:53: Also offenbar muss man wohl folgern, ist der Westen und das Deutschland, dass Wans liebt gerade nicht das Deutschland.
00:06:01: Dass seine Regierungspolitiker und Meinungsmacher zumindest dominierenden Meinungs-Macher repräsentieren.
00:06:08: Ich habe daraufhin also im Zitzero dann auf unserer Website kleines Essay geschrieben über dieses neue Narrativ des Sündenbocks, was da konstruiert wird.
00:06:19: ich glaube so war auch die Überschrift irgendwas mit Sündenburg Und daraus wurde dann da die Anne Hamilton vom Verlag zu klampen, das auch gelesen hat schließlich dieses Buch.
00:06:34: Trump und die anderen Rechtspopulisten sind nach dieser Erzählung, nach diesem Narrativ so etwas wie Saboteure, die eben mutwillig wie Fischer sagt zerstören.
00:06:47: Im Plizid steht dahinter sicherlich der Anspruch oder die Deutung eigentlich würde Deutschland Europa wunderbar funktionieren, wenn da nicht diese mutwilligen Zerstörer wären wie Trump und Konsorten.
00:07:01: Und zu diesem Narrativ gehört – das haben Sie sicherlich schon oft in Talkshows so gehört – auch die Behauptung dass Populisten nur allzu einfache Antworten auf die sehr komplexen Herausforderungen der Gegenwart böden.
00:07:13: Aber dieser Erklärung des Niedergangs des Westens durch mutwillige Boßheit oder Machtgier von Trump und anderen Rechtspopulisten oder wie immer man sie nennen will ist doch selbst genau das eine allzu einfache Antwort auf eine kompliziertere Frage.
00:07:31: Und es liegt nahe, dass sie – zumindest sehe ich das so – vor allem eins bewirken soll dieses Narrativ Verantwortung verschleiern.
00:07:40: Über Trump kann man ja gerade jetzt in diesen Tagen viel Negatives sagen.
00:07:45: Ich finde auch den großen Teil seiner Aus- und Zollpolitik ziemlich verheerend.
00:07:50: also ich bin kein Trump-Anhänger Aber am Niedergang des Westens ist er nun wirklich nicht schuld.
00:07:56: Der ist nämlich älter als der Politiker Trump und älte auch als die AfD, und die meisten anderen populistischen Parteien.
00:08:05: Ein nüchterner Blick auf die Zeitgeschichte legt eine umgekehrte Kausalität nahe.
00:08:10: Die Spaltung, die quer durch die europäischen westlichen Länder und jetzt auch mitten durch den Atlantik geht Ist nicht das Ergebnis des Machtantretts von Donald Trump in USA oder auch nicht der von Viktor Orban in Ungarn oder den Wahlerfolgen von Le Pen, oder eben der AfD bei uns.
00:08:29: Diesen keine Ursache sondern eine Vollgereaktion auf vorangegangene Fehlentwicklungen.
00:08:34: In fast allen Ländern des Westens werden zentrale politische Versprechen die den Westen einst stark und attraktiv und seine Gesellschaften stabil gemacht haben seit geraumer Zeit nicht mehr erfüllt.
00:08:48: dafür sind so meine These die politischen und gesellschaftlichen Kräfte verantwortlich, die seit dem Zusammenbruch des Kommunismus – also seit den middleren, späten Neunzigern – die Geschicke des Westens dominieren mit ihren Projekten.
00:09:05: Etwa die Transformation zur Klimaneutralität.
00:09:08: Die bedeutet den Verlustmaterialen Wohlstands.
00:09:11: Und ein großer Teil der einheimischen Bevölkerung in allen westeuropäischen Ländern empfindet auch den vorgezeichneten Weg zu einer ebenfalls verordneten, diskriminierungsfreien und multikulturellen Einwanderungsgesellschaft auch vielleicht eher als Verlust an Lebensqualität und Heimat.
00:09:31: Ihre Unzufriedenheit darüber und die Angst vor dem Voranschreiten dieses Prozesses ist der Nährboden der Wahlerfolge der AfD und vergleichbarer Parteien und in Amerika natürlich auch Trumps.
00:09:43: Viele Bürger haben eben einfach andere Probleme.
00:09:49: Der Zorn auf die Populisten als vermeintliche Zerstörer des Westens ist vermutlich auch eine emotionale Entlastungsreaktion oder sowas Ähnliches, auf die Erkenntnis des Scheiterns der eigenen Heilslehren und Projekte sobald man es mit der vitrigen Wirklichkeit zu tun bekam.
00:10:11: Zunächst aber da ja mein Buch «Der gelähmte Westen» heißt will ich noch eine grundsätzliche Frage klären und dann auch gleich in eine kleine Passage lesen, was ist überhaupt der Westen?
00:10:24: Ist ja nicht so eindeutig.
00:10:28: Ich lese jetzt eine Passage vor, in die ich darauf mit Hilfe von Karl Popper und Joachim Fest eine Antwort zu geben versuche.
00:10:38: also das jetzt aus dem Buch.
00:10:40: Eine Definition für den alten noch strahlkräftigen Westen könnte so lauten Der Westen ist das historische Ergebnis aus der jüdischen, der griechischen, römischen Geschichte, der Geschichte der kältischen, germanischen, slavischen und anderer Völker Europas sowie darauf aufsetzenden Geschichte des christlichen Abendlandes.
00:11:00: Die schließlich mit der Aufklärung den Revolution in Amerika und Frankreich unter Überwindungen der modernen Totalitarismen im zwanzigsten Jahrhundert zur offenen Gesellschaft Karl Popper führte und zu politischen Systemen, die der Journalist Joachim Fest so
00:11:18: charakterisierte.".
00:11:19: Ihr erster und oberster Grundsatz ist es gerade keinen Glaubenssatz und keine vorgeblichen Richtigkeiten zuzulassen.
00:11:30: Sondern um das höchsten Guts überhaupt – nämlich des inneren Friedens und der Freiheit des Denkens Willen aus der großen Sache der Wahrheit in einem Akt ernüchternder Formalisierung eine Sache der bloßen Mehrheit zu machen.
00:11:46: Zitat Ende, das war Joachim Fest in einem übrigens sehr empfehlenswerten Büchlein,
00:11:54: d.h.,
00:11:54: die schwierige Freiheit von nineteen- dreieinundzig aus dem zitiere ich noch öfter mein Buch was den Westen eins stärker und reicher und freier gemacht hat als andere Weltregionen Ich würde sagen, kulturell verankerte Neigung zur individuellen und kollektiven Selbstkritik und Selbstkorrektur.
00:12:17: Diese weltgeschichtlich ziemlich einmalige Neigung die man bis ins alte Griechenland zurückverfolgen aber auch im Mittelalter natürlich vor allem seit der Aufklärung in Europa feststellen kann ist in den vergangenen Jahrzehnten pervertiert worden.
00:12:32: sie ist in eine Ablehnung umgeschlagen der eigenen Geschichte der eigenen Vorfahren der Selbstverachtung und Selbstaufgabe.
00:12:44: Zugleich ist damit bei tonangebenden Teilen, der gegenwärtigen westlichen Gesellschaft eine Hinwendung zu neuen Glaubenssätzen und vermeintlichen Wahrheiten auf Kosten der Freiheit des Denkens verbunden.
00:12:58: Ein Verständnis von Demokratie also hat sich durchgesetzt dass die Idee von Rousseau einer volontägeneral entspricht Also eines Allgemeinwillens der unbedingt durchgesetzt werden muss, auch wenn es dafür gar keine Mehrheit gibt.
00:13:15: Was für Rousseau die volontäische General war, das sind heute könnte man sagen die demokratischen Werte, die immer in Anspruch genommen werden.
00:13:25: Das ist also letztlich eine Vorstellung von Demokratie, die gerade nicht der pluralen Demokratie des Westens entspricht wie sie ja auch im Fest in dem Zitat gerade vorgestellt definiert hat.
00:13:38: In meinem Buch versuche ich also, die Wirkung von politischen und vor allem intellektuellen Kräften der vergangenen sechs oder sieben Jahrzehnte zumindest ansatzweise zurückzuverfolgen.
00:13:48: Die den Westen von innen könnte sagen aushöhlten und dessen Selbstaufgabe zu ihrem Programm machte.
00:13:57: Das waren jene Kräfte, die einst in vor allem außer parlamentarischer Opposition zu den regierenden Standen in den sechziger Jahren auch noch in den siebziger Jahren und eine grundlegende Transformation ja Neuerfindung des Westens verlangten, wie er aus dem Weltkrieg der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden hervorgegangen war.
00:14:18: Nach ihrem Maß durch die Institutionen sind Sie beziehungsweise Ihre Epigonen nun seit rund drei Jahrzehnten im Wesentlichen selbst an der Macht Und Sie haben den gewünschten Wandel durchgezogen.
00:14:30: Sie haben dem Westen sozusagen die DNA ausgetauscht.
00:14:34: Die Hülle ist geblieben Aber der Inhalt ist eben nicht mehr der gleiche.
00:14:38: Das Ergebnis ist ein Westen, der sich selbst nicht mag.
00:14:41: Ein Westen ,der seinen Bürgern hinter demokratischen Werten letztlich nichts anderes in Aussicht stellt als eine fortwährende Pflicht die Welt zu verbessern und zwar indem sie die vermeintlichen Misseltaten der Vorfahren wieder gut machen und indem Sie auf alle im Jahrhunderten angeeigneten Üblichkeiten ihres Zusammenlebens ererbten Privilegien zugunsten von Nichtwestern und dem Weltklima verzichten sollen.
00:15:14: Selbst Entäußerung wird also zur Pflicht erklärt.
00:15:18: Zunächst in den neunziger Jahren, vielleicht auch noch im ersten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts sah es so aus als ob das ohne größere Wohlstandsverluste, ohne Schmerzen oder Konflikte funktionieren würde.
00:15:35: Die meisten von ihnen erinnern sich vermutlich noch an die neunzig Jahre Und das damalige Lebensgefühl, es war meine Jugendzeit.
00:15:44: Ich empfand jedenfalls die gesellschaftliche Stimmung damals nach neunundachtzig-neunzig als eine der Sorglosigkeit.
00:15:54: Jedenfalls politisch private Sorgen hat man ja immer.
00:15:58: Ihr intellektueller Ausdruck war Fukuyama's These vom Ende der Geschichte und ihr popkultureller Ausdrucks war Die Love Parade, die da drüben gestartet ist.
00:16:12: Das wäre heute unvorstellbar, oder?
00:16:13: Love Parade würde sich das noch jemand trauen sowas zu veranstalten.
00:16:17: Ich glaube nicht.
00:16:18: daran sieht man wie sehr sich das Lebensgefühl verändert hat.
00:16:23: ich will Ihnen jetzt noch ein paar Seiten aus dem Buch vorlesen.
00:16:26: zunächst Aus dem Kapitel dass so heißt wie das buch selbst der gelähmte Westen also sozusagen die das Zentrum des Buchs könnte man sagen.
00:16:35: Die Kipppunkte dieser Stimmung Bedürfen kaum einer näheren Erklärung.
00:16:40: um nur die grundlegendsten zu nennen die Anschläge vom elften September, und die anschließenden Kriege in Irak und Afghanistan.
00:16:48: Die Finanz- und Schuldenkrise, die Migrationskrise, im Falle des Folgen von Corona.
00:16:55: Und schließlich seit dem Angriffskrieg Russland gegen die Ukraine.
00:17:01: Jetzt könnte man wahrscheinlich noch den Iran-Krieg dazu nehmen.
00:17:06: Gemein ist diesen Ereignissen das ihre Ursachen Begleitumstände und Auswirkungen allesamt fortwirken!
00:17:12: Sie sind nicht Vergangenheit, sondern bestimmen weiterhin unsere Gegenwart.
00:17:16: In keiner dieser Krisen war der Westen insgesamt oder handelten auch nur einzelne seiner Staaten nachhaltig erfolgreich und überzeugend.
00:17:26: Der Westen seine Regierungen jedenfalls sind seither selten aktive Akteure gewesen die große Veränderung ausgelöst hätten wie die Großmächte im Zeitalter der Weltkriege und des Kalten Krieges.
00:17:39: Die letzte große militärische Intervention der USA und ihrer Verbündeten endete im afghanischen Debakel von twenty-oneinundzwanzig.
00:17:49: Weder die Supermacht USA noch die gesamte westliche Staatengemeitschaft haben, bis in zwanzig Jahren militärischer Präsenz trotz gigantischem militärischen und vor allem entwickelungspolitischem Aufwand vermocht Afghanistan zu einem halbwegs funktionierenden geschweige den demokratischen Staat nach ihren Vorstellungen zum Machen.
00:18:07: Sobald die US-Truppen abgezogen waren, übernahm umgehend die radikal islamistischen Taliban.
00:18:13: Ohne den geringsten innerafghanischen Widerstand die Herrschaft.
00:18:17: Zwanzig Jahre Krieg mit allein drei tausend sechshundert neun toten westlichen Soldaten, darunter neunundfünfzig Deutsche und astronomischen Kosten für westliche Steuerzahler brachten nicht die erwünschte Wirkung.
00:18:31: Laut dem Costs of War Project des Watson Institute Vor International and Public Affairs der Brown University, haben die Vereinigten Staaten von der Invasion in den USA bis zum Abzug im August, etwa zwei Komma drei Billionen US-Dollar für den Krieg am Hindukusch ausgegeben.
00:18:54: Nur in Afghanistan!
00:18:56: Irak Krieg ist noch mal eine andere Nummer.
00:19:00: Die Bundesregierung beziffert die einsatzbedicken Zusatzausgaben für die Bundeswehr allein.
00:19:06: In Afghanistan, von ein Jahrzehnte bis zu einem Jahrzehn, auf zwölf, drei Milliarden Euro nur für die Bundeswehr.
00:19:18: Hinzu kommt Wiederaufbau und Entwicklungshilfe in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro.
00:19:23: Und all das war völlig nutzlos!
00:19:25: In Afghanistan herrschen wieder wie vor, die Taliban.
00:19:31: Das Ausmaß des Scheiterns des Westens in Afghanistan, dessen Signalwirkung auf den Rest der Welt und die deprimierende Wirkung auf die Sozialpsüche der westlichen Gesellschaft sind kaum zu überschätzen.
00:19:43: Der Westenvermarkt nichts dauerhaftes mehr zu schaffen.
00:19:47: Einziges Ergebnis dieses militärischen Abenteuers ist vor allem für Deutschland der ungebrochene Zustrom afghanischer Asylbewerber.
00:19:56: Das politische und militärische Versagen selbst wird allerdings noch übertroffen durch die Verweigerung einer selbstkritischen Revision der sogenannten Entwicklungszusammenarbeit, nicht zuletzt Deutschlands in deren Zentrum Afghanistan zwanzig Jahre lang stand.
00:20:11: Die offenkundige Lehre von zwei tausend einundzwanzig das die bisherige Art und Weise der Hilfe nichts bringt oder sogar negative Folgen zeigt wurde einfach ignoriert.
00:20:23: Trump kleiner Einschub hat daraus ja gelernt.
00:20:26: er hat US aid einfach dicht gemacht.
00:20:30: bei uns Empörung darüber aber Keine eigene Reaktion.
00:20:36: Der Westen, so muss man konstatieren hat in anderen Weltteilen deutlich an Pristisch eingebüßt.
00:20:42: er gilt längst nicht mehr als Orientierung geben des Vorbilds sondern nur mehr als williger Versorger und Obdachgewehre Und die Bürger der westlichen Länder mussten spätestens seit Zwei Tausend Fünfzehn zunehmend den Eindruck gewinnen dass ihre Staaten und sie selbst zum Zielobjekt von Zuwanderungsströmen wurden die aufzuhalten, die Regierungen nicht willens oder nicht in der Lage waren.
00:21:04: Zur Wahrheit gehört aber auch dass ein großer Teil dieser Bürger vor allem in Deutschland die passive Politik der Selbstentäuserung als eine moralisch unumstößliche Pflicht verstand.
00:21:21: Die Kombination aus völliger Wirkungslosigkeit großer westlicher Weltverbesserungsprojekte wie Afghanistan und der moralischen Verpflichtung zur Akzeptanz von Massenzuwanderung Alltagskulturell verlustreichen Zumutungen hat zu einem sich ausbreitenden Gefühl des Ausgeliefertseins an Alternativlosigkeiten geführt.
00:21:43: Das kontrastiert mit dem früheren Lebensgefühl der Bürger westlicher Staaten, in Poppers offener Gesellschaft sollte nicht nur jeder Bürger auf persönlicher Ebene seines Glückes schmied sein sondern auch das politische Schicksal seiner Gemeinschaft ergebnisoffen mitbestimmen können.
00:22:00: selbst wenn die Hinnahme von Migration und anderen Schicksalen als moralisch unbedingt geboten akzeptiert wird, erzeugen solche Aussagen nicht unbedingt euphorische Gemütslagen bei denen die sie vor Augen haben.
00:22:14: Soweit erst mal zur Diagnose unserer gegenwärtigen Lage um zu verstehen wie der Westen dahin gekommen ist wo er heute steht?
00:22:24: Ist es hilfreich so meine These ?
00:22:28: Die Geschichte seit nineteenhundertvierzig als Geschichte der Generationen zu betrachten.
00:22:34: Joschka Fischer an dem war schon die Rede steht stellvertretend für die Schlüsselgeneration der westlichen Nachkriegsgeschichte.
00:22:42: Natürlich nicht unbedingt für alle Westler seines Alters, sondern für die Klasse der Sinnproduzenten wie Schelski das nennen würde und Politiker, die für die destabilisierenden Entwicklungen im gesamten Westen von zentraler Bedeutung ist.
00:23:00: Die Welt in die Fischer jahrgangemunzehnund achtenvierzig hineingebohnt wurde wir dass er selbst ausgedrückt hat ist eben die westliche, freie Welt nach dem Zweiten Weltkrieg.
00:23:11: Deren Wiederaufbau und Festigung nach nineteenhundfünfundvierzig hatten ihre Eltern vollbracht.
00:23:18: Jene Generationen, die zuvor den Kulturbruch der Weltkräge unter Nazi-Verbrechen erlebt und erlitten – und zumindest soweit sie Deutsch oder Österreicher waren auch als Täter mit verschuldet haben zum Teil jedenfalls!
00:23:33: Die Erlebnisgenerationen, Säkularisiertes, demokratisiertes und mit Wohlstand für alle versehenes Nachfolgemodell des Abendlandes nach Vierzig dominiert hat war aufgrund ihrer Diktatur- und Kriegserlebnisse zutiefst ernüchtert.
00:23:51: Helmut Schelski nannte sie deswegen die skeptische Generation.
00:23:56: Das Buch ist Ihnen vielleicht noch ein Begriff Zwischen ihr und der Fischergeneration – Schelske gehörte natürlich selbst auch zu der Generation als Kriegsteilnehmer.
00:24:06: Zwischen ihr und der Fischer-Generation, der ersten ohne Kriegserlebnis verläuft eine Bruchlinie.
00:24:12: Die man grob vielleicht so skizzieren kann.
00:24:15: Wer nineteenhundertfünfundviertzig überlebt hatte wollte einfach ein normales Leben in einem funktionierenden Land.
00:24:23: Während die in dieses funktionierende Land hineingeborenen Mangels konkreter Sorgen oft lieber die Welt retten wollten.
00:24:31: Kurz – Der politische Enthusiasmus mit der skeptischen Generation ausgestorben schien, kam zurück.
00:24:41: Heute spricht Fischer gerne über die alte Bundesrepublik wie er das nennt und über Adenauer und die Westbindung als Fundament unserer Republik.
00:24:50: so hat er das bei Mioska ausgedrückt Als ob er selbstverständlich in dieser Tradition stünde.
00:24:56: Er versucht eine lange Linie der Kontinuität von neunundvierzig bis zu ihm selbst zu ziehen Und zu jenen die heute in seiner Nachfolge stehen.
00:25:04: diese behauptung Kontinuität soll den Bruch verdecken, der mit der Schifffre'artensechzig verbunden ist.
00:25:13: Und dieser Bruch sorgte dafür, dass ein früherer linker Straßenkämpfer wie Fischer zum Außenminister und heute zum Elder Statesman und zum Chefinterpreter des Westens wurde, den nun angeblich Trump-und die AfD mutwillig
00:25:28: zerstören.".
00:25:28: Die Geschichte von artensechszig wurde von ihren Veteranen meist unkritisch heroisierend im öffentlichen Gedächtnis verankert.
00:25:38: Einige Ausnahmen gibt es.
00:25:40: Götz Ali zum Beispiel, da hat das, finde ich, die interessanteste Buche über ein Sechzig geschrieben.
00:25:47: Heroisieren deswegen weil es als, weil ein Sechszig als Aufbruch zur vermeintlichen Fundamental-Liberalisierung so wird das oft genannt und als so eine Art Zweitergründungsakt der demokratischen Bundesrepublik begriffen wurde.
00:26:03: in Frankreich und vielen anderen Ländern ist das ganz ähnlich.
00:26:08: Dabei fällt aber meist unter dem Tisch, dass die achten sechziger Generationen der Jugend als sie ihr Weltbild ausarbeitete gerade eben nicht bejahen zur Bundesrepublik und den damaligen besten Stand sondern bestenfalls kritisch sehr oft aber auch offen ablehnend bis wirklich feindlich.
00:26:27: Natürlich muss man sagen waren die nachher sogenannten Achtensechzige eine sehr heterogene Bewegung.
00:26:33: das gilt auch für die kurz danach in den Siebziger Jahren sozialisierte SPD-Linke, also die ein bisschen Jüngeren zu den Olaf Scholz und Frank-Walter Steinmeier gehören.
00:26:44: Aber eines haben alle damaligen Aktivisten gemeinsam der Zusammenhalt des Westens spielte für sie keine positive Rolle.
00:26:53: viel mehr sympathisiert einen großer Teil offen mit dezidiert antiwestlichen totalitären Regimen wie Maus China dem kommunistischen Nord Vietnam vor allem und Kastroskuba.
00:27:06: Eine Minderheit stand auch der DDR nahe.
00:27:09: Zu der gehörte wahrscheinlich auch Scholz und Steinmeier.
00:27:14: Das ist übrigens interessant an, in der FAZ stand bis vor kurzem ein interessanter Artikel über die Jugend von, also die Studienzeit von Steinmeyer wo auch drin erwähnt war dass er für diesen wie es dieser DDR Palruggenstein Verlag gearbeitet hat?
00:27:32: Der Artikel ist nicht mehr im Netz.
00:27:37: Ich habe für meinen Buch noch gefunden, dann habe ich nochmal nachgeschaut.
00:27:41: Jetzt ist er weg.
00:27:49: Ja also da ging es darum Steinmeyers Studienzeit als Jurist und seine Arbeit für diesen Parl Rugenstein Verlag.
00:27:59: unter anderem hat der einen Aufsatz geschrieben.
00:28:06: Es ging um den Versuch das Grundgesetz von links zu interpretieren.
00:28:14: Besonders deutlich wurde die anti-westliche Haltung, Entschuldigung, in ihrer Ablehnung der USA.
00:28:31: Der Vietnamkongress am siebzehnten und achtzehnten Februar, in Westberlin eine der zentralen Veranstaltungen der Bewegung fand unter einer Fahne der kommunistischen Vietcong-Partisan statt.
00:28:44: Das Könse auf YouTube kann man den ganzen Vietnam Kongress übrigens sehr schön Nachvollziehen, haben Sie das gesehen?
00:28:53: Also fand unter einer Fahne der kommunistischen Wert Kongpartisan statt und er endete mit einer Solidaritätserklärung für den Zitat Kampf für Unabhängigkeit und sozialistische Demokratie gegen den barbarischen US-Imperialismus.
00:29:09: Die Vereinigten Staaten wurden als Zitat Haupt der kolonialen Kontarrevolution bezeichnend.
00:29:16: Und das westliche Verteidigungsbündnis wurde eindeutig als feind markiert, eine der Parolen war zerschlag die NATO.
00:29:25: Demnach bedeutete also der Marsch durch die Institutionen, der in den Jahren Jahrzehnten danach erfolgreich stattfand dass der Westen... Der Westen wurde spätestens mit dem Abtreten der Kohlgeneration, den man ja gewisserweise noch zu dieser skeptischen Generation rechnen kann, Kohl hat zumindest als Kind noch den Krieg miterlebt Mit dem Abtreten der Kohl-Generation als letzter, vor- und abtretender Politiker-Genération.
00:29:55: in weiten Teilen wurde der Westen übernommen von Menschen die zuvor eben in ihrer Jugend wie gerade ausgeführt diesen Westen noch bekämpft hatten.
00:30:05: In Deutschland kann man diesen Bruch... Machtübernahme soll man natürlich nicht sagen, aber da kann man das vielleicht auf deiner Nutzendneunzehnte achtundneinzig datieren als eben Kohleabtrat und Schröder und Joschka Fischer Daran kam.
00:30:23: Natürlich war der Marsch durch die Institutionen jener Sechziger auch ein Prozess der Mäßigung, zumindest taktisch.
00:30:32: Fischer und Weggefährten wie Joscha Schmierer, der in den letzten Jahren noch vom demokratischen Programm der Kommunisten schwärmte und mit seinen KBW-Kommunistische Bund Westdeutschland genossen zum Solidaritätsbesuch nach Kambodscha reiste Die merken vermutlich mit zunehmender Reife.
00:30:54: Das ist sich vor allem als höherer Beamter im zuvor verdammten Westen wohl doch besser leben ließ, als in der permanenten Revolution die sie eigentlich mal geplant hatten.
00:31:04: Zumal das von Wohlstand das Zuwohlstand gekommene einzige Proletariat überhaupt kein Interesse zeigte an Kommunismus und Revolution.
00:31:13: Es ist ja bekannt dass Fischer zum Beispiel aber nicht nur eher viele dann auch nach sixty-eight in die Betriebe gegangen sind Und versucht haben die Belegschaften, bei den Belegenschaften ein Bewusstsein für die Revolution zu schaffen und sind damit eigentlich sagen und klanglos gescheitert.
00:31:33: Aber die berühmte Frage, die der marxistische Theoretiker Georg Lukacsch, aus dem Jahr averjeneuropa, war vor der westlichen Zivilisation.
00:31:51: Sie wurde schließlich so beantwortet Diese Frage.
00:31:55: Anstelle der Proletariat sollten vor allem nicht weiße Migranten und sexuelle Minderheiten die neuen Subjekte und Objekte der Emanzipation sein, Und als neues Menschheitsziel anstelle des Kommunismus wird sich schließlich die Klimagerechtigkeit an.
00:32:13: Ich vereinfere jetzt natürlich stark bisschen polemisch.
00:32:17: Der erwähnte Joscha Schmierer hat nach seiner Zeit im Planungsstab des Auswärtigen Amts an Buch veröffentlicht.
00:32:26: Dessen Titel lautet den Westen neu erfinden, ist durchaus bezeichnend.
00:32:31: ich habe das Buch eigentlich gesagt nur überflogen aber der Tit den Titel fandig bezeichnet für das was nämlich tatsächlich stattgefunden hat die Erfindung eines Westens der nicht mehr westlich sein sollte.
00:32:44: Statt der nineteen sechzig gescheiterten Revolution installierten sie als eine Agenda also einer Agenda gegen abendländische Tradition und den Rest dessen, was zuvor noch einfach als Normalität betrachtet worden wäre.
00:33:00: Bisherige kulturelle Fundamente westlicher Gemeinsamkeit die nach dem Zweiten Weltkrieg und für die politische Elite der Kohlgeneration noch bestimmend waren wurden allmählich dank dernach altundsechzig errungenen kulturellen und dann auch politischen Dominanz untergraben.
00:33:18: zum Beispiel sowas wie das christliche abend ländische Erbe Vaterland, Familien sind bürgerlich- marktwirtschaftliche Strebsamkeit.
00:33:26: Alles worum sie an den Büchern hier geht.
00:33:30: Zentrale Bedeutung in dieser Agenda der Entwestlichungen des Westens hat das was seit Habermas Zivilgesellschaft genannt wird und dass was ich das Habermaßprinzip des Simulierten tatsächlich ganz um gar nicht herrschaftsfreien Diskurses nenne.
00:33:47: also als ich das schrieb war Habermass noch unter den Lebenden.
00:33:53: aber das deute ich jetzt nur an was ich zu Habermas schreibe, wie sollen das Buch ja auch noch lesen.
00:34:01: Ich will lieber hier an diesem Ort ausgerechnet noch etwas zum Konservatismus sagen und gleich noch eine längere Passage aus dem betreffenden Kapitel dazu vorlesen dass für meine Argumentation zentral ist.
00:34:15: Zunächst aber noch ein Einschub zur Wahrheit.
00:34:18: der Geschichte der Selbstlehmung des Westens gehört auch der Versagensanteil der nicht linken politischen Kräfte.
00:34:26: Indem auf den folgenden Jahrzehnt des scheinbaren Endes der Geschichte hatten sowohl Liberale als auch Konservative es versäumt sich intellektuell und realpolitisch zu erneuern.
00:34:41: Stattdessen verließ man sich auf die Fukuyama-These, es sei nun eben grundsätzlich alles in guter Ordnung und wäre auch immer so bleiben weil es alternativlos sein das der Rest der Welt nun auch zum Westen unter Westen zur Welt würde.
00:34:57: Umso leichter konnte dann die Linke den Neoliberalismus der totalen Marktläubigkeit spätestens seit der Finanzkrise als politisch gescheitert Brandmarken.
00:35:07: Ähnlich geschah es mit dem, ich finde Pseudo-Konservatismus der amerikanischen Neocons, der Präsidentschaft von Bush
00:35:15: Jr.,
00:35:17: der mit den Lügen und enormem Kosten und vielen tausend Toten in Irak und Afghanistan verbunden bleibt.
00:35:24: Dieses Doppeldesaster der vulgär-liberalen und vulgerkonservativen, mit dem scheinbar jede liberale und konservative Politik diskreditiert war, verstärkte die kulturelle und politische Dominanz der neuen Linken in allen wichtigen Ländern des Westens.
00:35:41: Zumindest dieseits des früheren eisernen Vorhangs.
00:35:45: Ohne einen starken also zeitgemäßen Konservatismus gibt es aber kein Gegengewicht gegen die stets zum totalitären neigenden linken Versprechungen der innerweltlichen Erlösungsideologien.
00:35:59: Ein gewisses Maß an Konservatismus darf und bin ich überzeugt, ist unabdingbar zum Erhalt der Freiheit im Westen.
00:36:07: Liberalismus und Konservativismus gehören für mich in dem Jahrhundert zusammen.
00:36:14: Ich lese jetzt also noch einen größeren Abschnitt aus dem Kapitel zum notwendigen Konservatives vor.
00:36:24: Der Nachkriegswesten Der skeptischen Erlebnisgeneration bestand aus Gesellschaften ohne Erlösungsversprechen und daher auch noch weitgehend, ohne die Vorgabe über persönlicher Zukunftsorientierung durch eine weltliche Priesterchaft.
00:36:41: Diese Gesellschaften waren das Ergebnis jahrtausender Alter vor allem europäischer Geschichte aber ihre Zukunft sollte offen sein.
00:36:49: Darum konnten in ihnen die Bürger das zerbrechliche Gut der individuellen Freiheit verwirklichen.
00:36:55: Dieser Westen definiert definierte sich als, das zitiere ich noch mal Joachim Fest aus diesem schönen Büchlein die schwierige Freiheit.
00:37:04: Dieser Besten definierte es sich als Gesellschaftsform, fest ist das jetzt, Gesellschafts-Form in der die Gegensätze nach festen Spielregeln ausgetragen werden.
00:37:14: Jeder sich von jedem ohne Angst unterscheiden darf und die erforderlichen Vorkehrungen gegen die inneren Gefahren, die aus immer anderen Richtungen herkommen, der Freiheit keinen Abbruch
00:37:25: tun.".
00:37:28: Das setzt allerdings einen Staat voraus, der ein lebendiges Gemeinwesen auf der Grundlage historisch gewachsener Selbstverständlichkeiten ist.
00:37:38: Die unstrittig und nicht selbst Gegenstand der Mehrheitsfindung sind.
00:37:42: Dafür bedarf es in den westlichen Demokratien eines Gewissenmaßes an Konservatismus um frei innerlich befriedet und selbstbewusst zu bleiben.
00:37:53: Freiheit heißt so sein zu können wie man isst und dementsprechend leben zu können.
00:37:59: Freiheit heißt, sagen zu können was offensichtlich ist.
00:38:02: Freiheit heisst wie George Orwell in fouren achtzig so treffend schreibt immer sagen zu dürfen das zwei und zwei gleich vier ist auch wenn Politiker oder Meinungsmacher anderes behaupten.
00:38:14: diese freiheit ist nicht zu verwechseln mit der lösung von allen historisch gewachsenen bindungen und erfahrungen.
00:38:22: Freiheit bedeutet nicht dass willkürlich überschreiten oder einreißen jeglicher grenzen nach Lust und Laune.
00:38:31: Das ist nicht Freiheit, sondern Unreife und Hybris.
00:38:36: Westliche freiheitliche Demokratien müssen auf eine vorpolitische Loyalität ihrer Bürger zurückgreifen können um zu funktionieren und fortzubestehen.
00:38:45: Auf eine unbestrittene Normalität der Gemeinsamkeit ein.
00:38:50: Wir das wie Roger Scrooten es formuliert hat Zitat Nachbarn die in entgegengesetzter Weise gewählt haben dazu bringt sich gegenseitig als Mitbürger zu behandeln, für die die Regierung nicht meine oder deine ist sondern unsere.
00:39:07: Egal ob wir sie gut
00:39:08: heißen.".
00:39:10: In diesen historisch fundierten aber zukunftsoffenen Gesellschaften wurde Politik als Aufgabe verstanden konkrete Probleme zu lösen Bedingungen für Wohlstand zu schaffen Die eigenen Länder ein Ordnung zu bringen und zu verteidigen.
00:39:29: Den ab damit erwachsenen Nachgeborenen, vor allem jenen die in Praxisfern Studiengängen nach Sinn und Einflussnahme strebten, war das nicht genug.
00:39:41: Sie füllten die Lücke, die ihre skeptischen Eltern mit ihrer Gleichgültigkeit gegen allzu menschliche, v.a.
00:39:47: jugendliche Sinnfragen offen gelassen hatten – mit Antworten aus dem diesheitsreligiösen Sinnreservoir der nachchristlich-philosophischen Angebote von Rousseau über Marx bis zur Frankfurter Schule.
00:40:01: Diese werden seither mit Ängsten, mit Ressentiments und mit Schuldgefühlen immer wieder aufgefrischt.
00:40:06: Ängste vor Atomkraft-, Klima-, Rechtsruck-, Corona-Ressentements gegen Kapitalisten, Patriarchen, Ungeimpfte... Und mit Schuld gefühlen wegen natürlich Faschismus, Rassismus, Kolonialismus!
00:40:26: Die Prediger dieser neudokmatischen Diesheitsreligion stehen in einer finsteren Traditionslinie, die seit siebzehundertneunundachtzig immer wieder aus Emanzipationsbewegungen totalitäre Projekte werden ließ.
00:40:41: Der Jacobiner Louis-Antoine de Saint-Gyste der Todesengel der Revolution – das war der wichtigste Verbündete von Robespierre – schrieb, Zitat Saint-Geust «der Mensch ist genötigt sich von der Welt und von sich selbst zu isolieren.
00:41:00: Er wirft seinen Anker in die Zukunft und drückt die Nachwelt an sein Herz, die an den Übeln der Gegenwart keine Schuld
00:41:07: trägt.".
00:41:11: Darum forderte er, Zitat.
00:41:27: Diese Mentalität des totalen Bruchs mit der Vergangenheit für die totale Gerechtigkeit in der Zukunft beseelt auch heute wieder allzu viele Prediger in Politik und Zivilgesellschaft.
00:41:40: Trotz altes blutigen Scheiterns von den Jakobinern bis zu den Sowjets wird auch heute, wirklicherweise heute jedenfalls bisher unblutig diesseitige Erlösung von Ungerechtigkeiten Aussicht gestellt wenn man ihren Plänen nur Folge leistet dass sich eine Gesellschaft nicht stabil in der Zukunft verankern lässt.
00:42:05: Weil die Zukunft, sich allen pseudo-wissenschaftlichen Planern und Propheten verweigert und keinen festen Boden bietet hat die Geschichte seit dem Jahr sevenhundertneunendachtzig immer wieder gezeigt.
00:42:16: All die Versuche den vorhergesagten Himmel auf Erden zu errichten sind stets in das Gegenteil umgeschlagen wie Karl Popper feststellte.
00:42:25: Dasselbe dürfte sich auch für aktuelle und künstige Halsversprechen wie die klimagerechte Gesellschaft bewahrheiten.
00:42:32: Der Anker einer Gesellschaft, die frei und dauerhaft sein soll gehört in den festen Grund der eigenen Vergangenheit.
00:42:41: Nur da kann er halt finden!
00:42:43: Dieses Wissen um die Notwendigkeit kultureller Verankerung der Gesellschaft im Tradition ist das politische Tafelsilberkonservativer Politik in allen westlichen Ländern.
00:42:54: Es war immer in den Jahrhunderten seit der Sattelzeit der großen Revolution eine unbedingte Voraussetzung, um das totalitäre Abdriften moderner Entfesselungen zu verhindern.
00:43:06: Nur wo es stark war wie etwa in Großbritannien blieb die Freiheit dauerhaft siegreich gegen den Totalitarismus.
00:43:14: Dass dies in Deutschland in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht gelangen und deutsche Konservative den Marsch in dem Abgrund des Nationalsozialismus nicht verhinderten oder verhindert konnten war das größte Desaster der Geschichte.
00:43:33: Aber es war ein spätes Glück zumindest für Westdeutschland, dass nach nineteenhundertfünfundvierzig in Adenauers CDU und den mit ihr koalierenden Parteien – und vor allem bei denen sie wählen den Deutschen – einen Bewusstsein für die Notwendigkeit kulturell konservativer Politik vorherrschte.
00:43:52: Die Kölner Leitsätze der CDU vom Juni nineteenhundhundviertzig versprachen die Rettung Deutschlands durch Zitat eine ehrliche Besinnung auf die christlichen und abendländischen Lebenswerte.
00:44:07: Und wollten Deutschland aufbauen?
00:44:10: Auf dem unerschütterlichen Fundament der christlichen kultur.
00:44:19: Die damalige Betonung des Abendlandgedankens billete tatsächlich eine entscheidende Grundlage für den Wiederaufbau und die gesellschaftliche Festigung der jungen Bundesrepublik und war eine Voraussetzung für die Einbindung Deutschlands in den NATO, in den Natowesten und die europäische Einigung.
00:44:35: In dem Maße wie der Europäische Gedanke sein historisch-abendländisches Ideenfundament verlor – das noch die Coles et Mitterrand Generation bestimmte – und die Europäischer Union stattdessen als postnationaler und präglobaler Superstaat begriffen wurde, nahm seine Anziehungskraft ab!
00:44:58: Übrige blieben.
00:44:58: davon ist nur die frasenhafte Politiker selbst Bezeichnung des überzeugten Europäers.
00:45:05: Auf die entscheidende Frage der Identität im Zeitalter der Globalisierung und Massenmigration vermögen diese überzeugte Europäer in Brüssel und anderen Hauptstädten keine glaubwürdige Antwort zu geben?
00:45:18: Was ist Europa, was ist ein Europäa, was is der Westen?
00:45:21: Ein kleines Erlebnis jetzt!
00:45:27: Im Sommer Symposium von Meinhard Miegels Denkwerk Zukunft im Kloster Neustift in Südtirol unter dem Titel Wo Bitte Geht Es nach Europa?
00:45:38: Teil.
00:45:40: Da kamen über ein Dutzend akademisch gebildete Europäer, die meisten Professoren an einem traditionsreichen Ort zusammen, die alle mehr oder weniger professionell damit ihr Brotverdienten über Europa zu schreiben doch auszudrücken was dies Europa eigentlich sei.
00:45:58: das viel den meisten schwer obwohl sie doch einfach nur den Ort dieses Kloster nämlich hätten nennen können.
00:46:05: Sie saßen mittendrin in der Antwort und realisierten es nicht, typisch für ihren Berufsstand im Zeitalter des Postkolonialismus verkündete stattdessen die Historikerin Claudia Weber Zitat Die Idee Europa wurde durch Säuberung Ausgrenzung und Vernichtung in die Welt getragen.
00:46:25: wir müssen daher Europa als etwas in sich gebrochenes begreifen.
00:46:28: zitat Ende Ausgerechnet der Einzige Teilnehmer, der nicht als Europäer sondern als Syrer geboren wurde.
00:46:38: Basantibi, Ihnen vielleicht ein Begriff Néstor der Islamologie macht er aus seinem Entsetzen keinen Hehl.
00:46:47: Er sagte ich habe das noch im Ohr.
00:46:49: Sie hier sind sich nicht einig was Europa ist.
00:46:52: Ich schäme mich für sie rief er in die Runde.
00:46:55: Für mich ein unvergesslicher Moment.
00:46:58: Ich mache jetzt einen kleinen Sprung In Text.
00:47:02: Was für Nationen gilt, gilt auch für Europa und den Westen als über den Nationen stehende Zivilisation.
00:47:08: Die Verleihung einer Staatsbürgerschaft als Verwaltungsakt kann keine kulturelle Zugehörigkeitsstiften aber immerhin juristische Eindeutigkeit schaffen wenn diese von den alten und neuen Staatsbürgern nicht selbst gelebt wird.
00:47:23: so wie die Existenz der Nationen nach Ernest Renard eine tägliche Volksabstimmung ist an plebiscite toulejour verhält es sich auch mit der übergeordneten Existenz des Westens und in aller Regel wird das alltägliche Bekenntnis zu einer westlichen Nation, auch das Bekenntnissen zum Westen als Zivilisation bedeuten.
00:47:46: Ich mache jetzt zum Schluss, komme langsam zum Ende noch ein Sprung ins Schlusskapitel indem ich versuche einen nicht allzu pessimistischen sondern eher hoffnungsvollen Ausblick zu geben.
00:48:01: aber natürlich ist das auch eine Art Appell.
00:48:03: Essay ist ja immer auch ein appellativen Charakter.
00:48:10: Untergehen wird das Abendland nicht, solange Menschen egal ob Nachkunft von Europäern oder Zugewanderten in der Nachfolge der abendländisch-westlichen Geschichte leben.
00:48:20: Das bedeutet das materielle und das geistige Kulturerbe zu erhalten und weiterzuführen.
00:48:27: Das heißt aber auch als Bürger das eigene Gemeinwesen in Freiheit selbst mitzubestimmen statt sich zum untertanen einer säkularen Halslehre machen zu lassen.
00:48:38: Wer den Westen erhalten und stärken will, muss selbst als praktizierender Vestler leben – und die Bedingungen so leben zu können, erhalten und verbessern statt sie preiszugeben für eine vermeintlich perfekte neue Welt.
00:48:52: Ein selbstbewusster Westen der aus diesem Bewusstsein des eigenen heraus sich auch wehrhaft zeigt, muss keinen äußeren Gegner fürchten.
00:49:00: Er wird nicht mehr die Welt beherrschen aber muss ich außerwestlichen Mächten oder antiewestlichen Weltanschauungen einschüchtern lassen.
00:49:10: Der Westen ist nicht am Ende, aber existenziell gefährdet.
00:49:16: Seine Gesellschaften müssen wenn sie fortbestehen wollen aufhören aus schlechtem Gewissen ihre offenen Feinde und falschen Freunde zu lieben die ihnen seit Jahrzehnten von innen schwächen.
00:49:28: Wehrhaftigkeit beginnt aber im Innern.
00:49:30: Im Bekenntnis zu den freiheitlichen Prinzipien seiner Gemeinwesen deren Bürger es sich nicht mehr leisten können antiwestliche, feinselige Lebenswirklichkeiten auf dem eigenen Territorium zu dulden oder gar zu begrüßen.
00:49:45: Die westlichen Demokratien dürfen auf diesem verheerenden Weg der vergangenen Jahrzehnte nicht weiter voranschreiten.
00:49:54: Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
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