Karlheinz Weißmann: Moeller van den Bruck
Shownotes
Am Vorabend des 150. Geburtstages von Arthur Moeller van den Bruck am 23. April 2026 stellte Karlheinz Weißmann sein neues Buch „Moeller van den Bruck – Der konservative Revolutionär“ vor, das als Band 9 in der BdK-Schriftenreihe ERTRÄGE erschienen ist. Dabei zeichnete er Leben, Werk und Wirken Moellers nach und korrigierte zugleich manche Irrtümer und Mißverständnisse, die sich bis heute um sein Werk ranken.
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00:00:06: Meine sehr verehrten Damen und Herren, Ich heiße Sie herzlich willkommen hier in der Bibliothek des Konservatismus zu unserer heutigen Buchvorstellung mit Herrn Dr.
00:00:44: K. Heins-Weißmann zum Thema Möller van den Brug, Der konservative Revolutionär.
00:00:52: Mit dem heute vorzustellenden Buch gehen wir zurück in das erste Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:00:58: Ardo Möllers van Den Brug gehörte während und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg zu den wohl bedeutendsten Köpfen des Konservatismus in Deutschland.
00:01:08: Dabei war er nicht etwa Vertreter einer konservativen Partei, sondern gehörte in den Anfangsjahren der Weimarer Republik zur außerparlamentarischen rechten Opposition – also jener Strömung die Armin Mola, in seiner gleichnamigen Dissertation als konservative Revolution zu fassen suchte.
00:01:31: Innerhalb der konservativen Revolution gehörte Möller zu den eher gemäßigten jungen Konservatifen, deren Schulhaupt er zugleich war.
00:01:41: Wenn man außerhalb einstägiger Zeitungen, Zeitschriften und Podcasts heute überhaupt noch von Möllers Vandenberg hört dann vor allem im Modus der Warnung.
00:01:52: Wer sich auf ihn berufe mache kulturpäsimistisches und antidemokratisches Denken anschussfähig.
00:02:02: Ist Möller van den Brug anschussfähig?
00:02:06: Unser heutiger Gast, Dr.
00:02:07: Karin Zweismann, verneint das!
00:02:10: Anlässlich des hundertfünfzigsten Geburtstages Möllers am morgigen, dreihundzwanzigsten April zwei tausendsechs und zwanzig hat der Leben Werk- und Wirken Möllers rekonstruiert und kommt zu dem Schluss.
00:02:24: Mölla van Den Brug hat seine Zeit gehabt.
00:02:27: die konservative Revolution ist Geschichte.
00:02:33: Wer so spricht, kann eigentlich nur Geschichtslehrer sein.
00:02:36: Geboren in Neutheim hat Karl-Heinz Weißmann Geschichte und evangelische Theologie studiert und wurde mit einer Dissertation zu Symbolik der politischen Rechten, deutschen Rechten promoviert.
00:02:50: Fast vierzig Jahre lang war er im niedersächsischen Schuldienst tätig.
00:02:54: Er hat über zwei dutzend Bücher veröffentlicht und dazu unzählige Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften.
00:03:01: Lieber Weißmann, ich weiß nicht wie oft ich für Sie schon diese Begrüßung gesprochen habe.
00:03:05: Ich freue mich in jedem Falle, Sie ein weiteres Mal bei uns willkommen zu heißen!
00:03:29: Ja lieber Herr Fenzke, ich bedanke mich wie immer für die freundlichen Worte zur Einführung und ich wusste nicht ganz genau ob ich diesen Satz zu Anfang sagen würden könnte nämlich dass ich erfreulich finde das Ihnen so großer Zahl erschienen sind.
00:03:44: denn Als wir beide diese Veranstaltung planten und uns überlegten, wie viele Leute um Himmels willen werden sich denn für Arthur Möller von den Brug interessieren oder gar dafür dass der Mann jetzt einen hundertfünfzigsten Geburtstag begeht.
00:03:57: Waren wir weiter ein bisschen skeptisch.
00:03:59: also das nicht vielleicht doch ein Thema sein würde das sehr in den Elfenbeinturm hineingehört und da draußen gar nichts zu suchen hat.
00:04:07: Aber vielleicht sind sie ja alle selbst auch Bewohner irgendeines Elfen beinturms was ich übrigens für keine schlechte Bleibe halte.
00:04:12: Ich persönlich schätze mein Dasein selvigem durchaus.
00:04:16: So, damit aber auch genug des Geplänkels vorweg.
00:04:20: Arthur Möller von den Brug.
00:04:21: Herr Dr.
00:04:22: Fenska hat es schon gesagt gilt als einer der Vertreter der konservativen Revolution und ich werde sie jetzt gar nicht weiter behälligen mit irgendwelchen Definitionsversuchen noch gar denen heute üblichen.
00:04:33: Ich glaube dass man auch in diesem Falle als Historiker besten ad frontes geht Und wenn man als Fontis geht, stellt man fest der Begriff konservative Revolution, revolutionärer Konservatismus oder eine konservativ-revolutionäre Grundhaltung.
00:04:48: Diese Vorstellung gab es im Grunde genommen in konservativen Kreisen schon seit den Achtundhundertvierziger, Achtunhundertfünfziger Jahren also der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.
00:04:57: Zu dem Zeitpunkt war den Wachenkonservatifen klar geworden dass ein Konservatives wie es ihn bis dahin gegeben hatte In dieser Form in Zukunft nicht würde mehr geben können.
00:05:10: Warum nicht?
00:05:12: Der Hauptgrund war, nicht nur die französische Revolution sondern eben auch der Prozess der Modernisierung der Gesellschaft, der die Grundlagen konservative Existenz sei es die ständige Ordnung, sei es der Vorrang der christlichen Kirchen dass alles würde im Laufe der Zeit vergehen, zerrieben werden vielleicht auch zerstört werden.
00:05:31: Aber es waren jedenfalls nicht mehr die Fundamente von denen man als konservativer so sicher sein durfte das hier auch für die kommenden Generationen die Basis für die Existenz innerhalb der Gesellschaft blieben.
00:05:44: unter diesem Gesichtspunkt wie gesagt begann man darüber nach zu denken ob es nicht vielleicht doch notwendig sei so viel vom Gegner zu lernen dass man revolutionäre Mittel anwendete um letztlich zu konservativen Ergebnissen zu kommen.
00:05:59: In diesem Sinne ist der Begriff konservativ revolutionär auch unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wieder in Umlauf gekommen, wir haben den Text des kleinen Büchleins das ich geschrieben habe ein Anhang mit Quellen beigefügt von denen ich überzeugt bin dass sie kaum jemand kennt.
00:06:18: und der erste Text den wir angefügt haben stammt von einer der wenigen Frauen in diesem Lager.
00:06:24: Alma de Lägle hat einen Ruf auch in späterer Zeit gehabt als Reformpädagogin, aber vor allen Dingen auch als Kennerin der Natur.
00:06:34: Sie hat sich sehr viel mit Gartenkunde und Gartenkunst beschäftigt und ist übrigens den Jungs-Sozialisten beigetreten.
00:06:42: Das war durchaus möglich mit der Position dass man eine konservativ revolutionäre Veränderung forderte.
00:06:50: Was man sich darunter vorstellte, das war im Grunde genommen ein Anknüpfen an diejenigen Traditionen, die in Deutschland ja so eine große Rolle gespielt hatten.
00:07:00: Ob dass die Reformation war, die man eben auch konservativ revolutionär deuten konnte?
00:07:05: Ob es die preußischen Reformer waren?
00:07:07: Ob ist das Werk Bismarcks war?
00:07:09: Das waren sozusagen die Muster von denen Alma de Lägle meinte, dass man sich an ihnen orientieren sollte um weder die Überlieferung vollständig zu zerstören Noch in Bausch und Burg zu erklären, ein Konservativer müsse einfach schlicht und ergreifend die bestehenden Verhältnisse verteidigen.
00:07:26: Der zweite Begriff Jungkonservativ hat im Grunde genommen eine ganz ähnliche Geschichte.
00:07:31: Er taucht zum ersten Mal in einem Zeitungsartikel auf den ein geistlicher und später Vertreter der Deutschen Nationalen Volkspartei geschrieben hat, der unter dem Eindruck der November Revolution verlangt Man müsse eben an die Stelle des Altkonservatismus, eben eines Konservatismus der dann doch der Überzeugung war dass man letztlich mit den Beständen rechnen müsse und das fortsetzen was schon gegeben sei.
00:07:56: Dass man gegen eine solche Vorstellung eine jung konservative Position setzen müsse.
00:08:02: Woran wollte er sich dabei ausrichten?
00:08:06: Dieser Otto Pfannekucher hatte die Vorstellung, man müsse bei Friedrich Naumann nachschauen.
00:08:12: großen alten Mann des deutschen Liberalismus, der vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur versucht hatte einen Nationalsozialen Verein zu gründen um einem nationalen Sozialismus zum Durchbruch zu helfen neben dem internationalen Sozialismus der SPD.
00:08:30: Nein er war auch der Überzeugung man müsse das deutsche Kaisertum mit einem Tropfen demokratischen Öl salben Worunter er verstand, sei eben notwendig in einer modernen Gesellschaft nicht mehr einfach an der überlieferten Form der Monarchie festzuhalten.
00:08:46: Sondern die Monarchien müssen derweise folgstümlicher werden, dass man sie tatsächlich in der Gesellschaft neu verankerte.
00:08:53: Das sei vorausgeschickt und ich schicke es deshalb vorauss weil das habe ich schon an verschiedenen Stellen gesagt Es mir als Historiker um Historisierung geht.
00:09:03: Historisierung bedeutet Einbettung.
00:09:06: Man muss die Dinge eben in ihren Kontext stecken.
00:09:08: Die Geschichte hält keine politologischen Lehrstücke bereit, an denen man dann irgendwie Ausbuch stabilen kann auf welche Reizworte man zu reagieren hat um zu wissen wer jetzt ein Verfassungsfeind ist und auch in der Vergangenheit schon war.
00:09:22: das würde eine ziemlich lange Kette geben.
00:09:24: und Arthur Möller-Vanbrug käme auch irgendwie vor wobei ich sagen würde ich wäre bereit dass werden sie schon noch sehen ihm an der einen oder anderen Stelle mildernde Umstände zuzubildigen aber Armin Faltrobert sicherlich nicht.
00:09:38: Also er käme ganz ohne Zweifel auf die Liste der Bösen, das will ich gar nicht in Abrede stellen.
00:09:44: Ich halte von solchen Verfahren aber eben nichts.
00:09:46: Ich glaube eben tatsächlich dass man jeden Menschen im Grunde genommen nur aus seiner Epoche heraus verstehen kann.
00:09:52: Das heißt nicht unbedingt dass man alles rechtfertigt und alles für gut befindet was dieser Mensch getan gesagt hat.
00:09:58: Aber es ist nicht möglich auch für uns selbst ja nicht unter Absehung von den Umständen, den historischen Umstände unter denen wir existieren in irgendeiner Weise zu begreifen warum jemand denn auf die Art und Weise gedacht hat.
00:10:11: Auf die Art oder Weise argumentiert hat sich für das eingesetzt und das abgelehnt hat.
00:10:16: So damit so Möller van Den Broek wie wir schon gehört haben.
00:10:20: er wurde geboren am derirdzwanzigsten april achtzehnhundertsechsundsiebzig als Sohn eines Baurats also eines man ist ziemlich gehobenen bürgerlichen Existenz Ottomar Möller und seiner Frau Elisabeth van den Brug übrigens nach allgemeiner Überzeugung eine der Schönheiten ihrer Zeit in der Heimatstadt Solingen.
00:10:38: Müller-Van den Brugg war nicht der Sohn, den sich dieses Ehepaar gewünscht hat.
00:10:43: Er war faul er war unzuverlässig und diszipliniert viel in der Schule.
00:10:46: immer wieder durch den Ärger auf, den er da machte verbummelte grundsätzlich alle seine Aufgaben Und irgendwann kam das was kommen musste Konzilium ab Eundi.
00:10:56: ohne Abitur musste Müller Van Den Brugg ins Leben treten was sie in übrigens überhaupt nicht geschreckt zu haben scheint, ganz im Gegenteil.
00:11:04: Er ging mehr oder weniger auf eigene Faust nach Berlin, schloss sich da Künstler und Literatenkreisen an und hat sich als Autodidakt ein wirklich ganz erstaunliches historisches und philosophisches Wissen angeeignet.
00:11:17: Aber das ist kein gesichertes Einkommen, was ihm wiederum auch nicht daran gehindert hat seine Jugendliebe zu heiraten – Hedermase!
00:11:24: Das Ehepaar lebte mir schlecht als Recht hier in Berlin.
00:11:29: verschiedene Autoren, die damals in Schwung kamen.
00:11:32: Edgar Allen Po beispielsweise Thomas de Quincy und Daniel Default.
00:11:37: deren Werke wurden von ihnen in der Regel aus dem Englischen ins Deutsche übertragen und das offenbar so erfolgreich dass man davon halbwegs leben konnte.
00:11:45: Das alles interessierte Möller aber nicht so besonders, er war viel mehr daran interessiert in den intellektuellen Zirkeln am geistigen Austausch teilzunehmen und ihn damals führende Zeitschriften zu publizieren.
00:11:56: Auch das gelangt ihm.
00:11:57: man kann es sehr deutlich daran erkennen dass eine der wichtigsten Zeitsschriften die Gesellschaft, die Zukunft oder Kunst ward regelmäßig Beiträge von ihm gedruckt haben.
00:12:07: Er gehört außerdem den Friedrichs Hagner Dichterkreis an was auch Nicht-Nichts war.
00:12:11: dem gehörten auch solche Leute wie Richard Demel Erich Mühsam, der Anarchist und einige andere an.
00:12:18: Dazu gehörte auch Fidus Hugo Herbner, der bekannte Illustrator Frank Wedekindt, Detlefon Lilien Kronen und der Ingenieur, Okkultist- und nachmalige Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner Die alle lernte Möller in diesem Umfeld kennen.
00:12:36: Und das entsprach durchaus aus seinem eigenen Interesse nämlich an den neuen weltanschaulichen und religiösen Konzepten und Vorstellungen, an Lebensreformen und allem was in irgendeiner Art und Weise anti-bürgerlich war.
00:12:50: Naturalismus, Symbolismus, Expressionismus – das waren die Schlüsselworte der Zeit selbstverständlich alles auch unter dem Einfluss von Nietzsche.
00:13:00: Er selbst hat mitgetan, er selbst hat Veröffentlichungen gemacht und gleichzeitig war er doch ein Außenseiter.
00:13:09: Erich Mühsam hat über ihn geschrieben, er trat auf stets in Kleidung von sehr origineller Eleganz Monockel im Auge langer grauer Gummimantel Stöckchen mit silvernem Griff und hellgrauer Zylinder.
00:13:25: Möller war berüchtigt für den völligen Mangel an Humor, den er bei jeder Gelegenheit an den Tag legte aber erscheint sich in einem gewissen Umfang doch den Respekt seiner Mitkreiser erobert zu haben.
00:13:41: Und alles schien wenigstens halbwegs auf gebahnten Wegen zu laufen, bis er sich Ninzehundertzwei entschloss nach Frankreich zu gehen um auf die Art und Weise der Einberufung zum Militärdienst zu entkommen.
00:13:55: Faktisch fahrenflüchtig!
00:13:57: Die Zeit in Paris und die Zeit überhaupt in Frankreich dann auch in Italien ist für ihn sicherlich nicht einfach gewesen.
00:14:06: Es gibt so einige Aussagen, denen kann man entnehmen dass er eine Zeit lang als Obdachloser unter den Brücken in Paris gelebt hat weil ihm schlicht und ergreifend kein Geld zur Verfügung stand.
00:14:16: Er hatte außerdem seine hochschwangere Frau alleine gelassen die daraufhin gleich mal die Scheidung einreichte.
00:14:21: Und diese ganze Situation muss irgendwann so heillos für ihn gewesen sein Dass er sich in den Deutschen Behörden einen Antrag zu stellen auf verspätete Ableistung des Militärdienstes.
00:14:35: Das genehmigte man ihm, und zwar weil er eine ganze Reihe von Büchern geschrieben hatte acht an der Zahl die unter dem Obertitel Die Deutschen erschienen.
00:14:47: Und es war unbestreitbar wer vielleicht vorher der Meinung war Man könne an der vaterländischen Gesinnung dieses Mannes seine Zweifel haben.
00:14:56: Der musste diese Auffassung sicherlich korrigieren, wenn er dieses Werk las.
00:15:02: Und er hat eben in der betreffenden Zeit tatsächlich an den Tag gelegt das er versuchte so etwas wie eine eigenständige Weltanschauung zu entwerfen.
00:15:11: alle deutschen bedeutenden Köpfe werden rubriziert und wer versucht sie in irgendeiner Art und Weise in den entsprechenden Kategorien zur Geltung zu bringen?
00:15:20: übrigens den Kaiser in der Rubrik scheitende Deutsche.
00:15:24: Das sollte man nicht unterschätzen.
00:15:29: Nichtsdestotrotz, er darf sein Militärdienst wie gesagt verspätet ableisten.
00:15:33: das endet allerdings in einem ziemlichen Desaster.
00:15:35: die gesundheitliche Verfassung von Möller war eigentlich nie die beste und er wird vorzeitig aus dem Militärtienst entlassen.
00:15:41: Er nutzt die Folgezeit zu mehreren Reisen die ihn jetzt nicht nur wieder nach Italien und Frankreich sondern unter anderem auch nach England ins Baltikum, dass Skandinavien und Russland führen.
00:15:52: In dieser Phase der Entwicklung wird auch deutlich, dass kann man in seinem Buch das Ninzehnundfünf erschienen ist.
00:15:59: Das Theatres Francais über die französische Theater entnehmen findet eine abrupte Abwendung von Frankreich statt.
00:16:07: Frankreich, dass selbstverständlich für die Künstler und Intellektuellen der Jahrhundertwende der maßgebliche Bezugspunkt war, das findet in den Augen von Möller van Den Brug keine Anerkennung mehr im Gegensatz zu Italien.
00:16:22: Italien bewundert er Und er wird später auch eine umfangreiche Arbeit über die Kultur Italiens schreiben, weil er von einer Wesensverbandschaft der Deutschen unter Italiener überzeugt ist und davon dass den Italienern die Fähigkeit zu Renaissance innewohnt.
00:16:38: Von denen er hofft das sie auch den deutschen innewohnen möge.
00:16:43: Insterzeit hat sich Möller aber vor allen Dingen mit den großen weltanschaulichen Debatten seiner Zeit beschäftigt.
00:16:49: Wer die auch nur oberflächlich kennt weiß Das ist in dem ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts vor allen einen Schlüsselthema gab.
00:16:58: Dieses Schlüssel Thema war der Darwinismus, genauer gesagt der Sozial-Darvinismus.
00:17:04: D. h. von ganz links bis ganz rechts war die allgemeine Überzeugung man habe endlich eine wissenschaftliche Grundlage zur Interpretation des Gesellschaftslebens und auch der Geschichte.
00:17:14: Man könne außerdem Prognosen für die Zukunft geben.
00:17:18: Warum konnte man das?
00:17:20: Weil Charles Darwin einen Schlüssel gefunden hatte, mit dessen Hilfe im Grunde genommen alle Erscheinungen nicht nur die Nerdantur sondern auch der menschlichen Kultur schlüssig und gültig zu interpretieren sein.
00:17:35: Erstaunlich ist das bei Möller von den Brug zwar eine sehr intensive Auseinandersetzung mit diesem Sozial-Davinismus stattfindet er ihn aber zuletzt ablehnt.
00:17:47: Das ist wahrscheinlich derselbe Grund, warum er sich zuletzt zu einer Ablehnung der Philosophie Nietzsche entschließt.
00:17:54: Was hat im Wesentlichen zwei Gründe?
00:17:56: Der erste Grund ist, er misstraut allen Weltanschauungen die einen unausweichlichen Niedergangprophet sein.
00:18:06: Er ist zutiefst davon überzeugt dass es möglich sei bei entsprechender Anstrengung des menschlichen Willens in fast jeder Situation eine Lösung zu finden.
00:18:17: Vor allen Dingen aber glaubt er mit Hegel, dass eine Kultur ein Volk, ein Staat erst dann zugrunde gehen könne wenn sie ihre welthistorische Aufgabe erfüllt habe.
00:18:30: und die Deutschen hätten ihre welt historische Aufgabe noch nicht erfüllt.
00:18:34: also könne der Weltgeist und möglich ihren Untergang voraussehen.
00:18:40: Für eine derartige Vorstellung fand er außerdem eine Bestätigung im Werk Dostoyevskis.
00:18:48: Ich hatte schon erwähnt, dass ja die Ehe mit Hedermase gescheitert war.
00:18:54: Möller lernte seine zweite Frau kennen – eine Baltin Lucy Kerrick, die sehr gut Russisch spricht Und mit der gemeinsam, sowie vor allen Dingen Dmitry Merischkowski beginnt er für den Pipa-Verlag die Dostoyevsky Gesamtausgabe voranzutreiben.
00:19:13: Er hat nicht selbst übersetzend mitgewirkt aber er hat praktisch für jeden Band eine Einleitung geschrieben und in diesen Einleitungen immer wieder dargelegt aus welchen Gründen er es für wichtig hält das gilt übrigens auch für einen Mann der auch noch eine Rolle spielt nämlich für Thomas Mann dass die Beschäftigung mit Dostoyevski gerade für die Deutschen unabdingbar sei.
00:19:35: Und das ist zu betonen, nicht etwa weil wir als solche Seelenverwandte sind und demselben imperativ unterliegen sondern gerade weil unsere Imperative verschiedene sind.
00:19:48: Für die Deutschen gilt der kategorische Imperativ im Sinne Kanz Für die Russen gilt der Imperativ der Sensitivität.
00:20:00: Das sind zwei verschiedene Dinge, aber sie ergänzen sich.
00:20:04: Und und damit kommen wir wieder zu der Frage der Ablehnung des darwinistischen Vorstellungsgefüges diese beiden Völker Russen und Deutsche sind junge Völker.
00:20:17: Sie haben ihre Zukunft noch vor sich und es gibt nur ein weiteres Volk neben den Italienern dem Möller das zuzubilligen Willens war und das sind die Amerikaner eher.
00:20:30: der wenn sie so im Allgemeinen schauen, was über Möller von den Brug dasteht wird ja regelmäßig als Verfechter einer Ostideologie vorgeschlagen und er ist tatsächlich ein bewunderer Amerikas gewesen.
00:20:47: Das hatte zwei Gründe.
00:20:49: erstens Er bewunderte die Kraftentfaltung der Vereinigten Staaten an der Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert das heißt diesen ungebrochenen Pioniergeist und den Willen, die Welt tatsächlich zu verändern.
00:21:06: Und er bewunderte die Zuwendung zur Modernität.
00:21:10: Sein Widerwille gegen diese ganzen Dekadenztheorien hatte eben damit zu tun dass er sagte wenn wir uns damit aufhalten immer wieder nur zu betonen das wir zum Untergang verdammt sind dann sind wir zum untergang verdampft!
00:21:24: Und die Tatsache dass die Amerikaner im Grunde genommen ja von keinem Zweifel angekränkelt erklärten Die Zukunft gehört uns.
00:21:32: Und we will do it, wir werden das
00:21:35: machen.".
00:21:36: Das war etwas von dem er sagte, dass ist ein Symptom für die Jugendlichkeit einer Nation und die einzige Nationen, die den Amerikanern in Europa wirklich ähnlich sind, sind die Deutschen.
00:21:55: Mit dieser Auffassung stand er keineswegs alleine.
00:21:58: Wilhelm II.
00:21:59: betonte immer wieder, die Amerikaner seien seine Lieblingstouristen Und die kamen nicht nur nach Berlin, sondern sie kamen nach Spree-Chicago.
00:22:09: Tatsächlich gibt es genügend Äußerungen von amerikanischen Touristen, die Deutschland bereist und immer wieder hervorhoben – wie ähnlich sich die Völker doch sein?
00:22:17: Dass man den Deutschen wirklich abspüre!
00:22:22: selbstverständlich aus germanischem Geist hervorgegangen war, nein.
00:22:26: Auch in der Art und Weise, in der man willens war die Herausforderung des Daseins anzupacken, pragmatisch zu sein sich der Technik zuzuwenden Die Moderne zu akzeptieren und zu gestalten.
00:22:39: In alle dem wurde betont Deutschland Amerikaner im Grunde genommen aus einem Guss.
00:22:46: Diese Vorstellung hat Möller auch dahingehend vorangetrieben das er gesagt hat Wir müssen verstehen, dass der amerikanische Nationalismus – der ja damals ausdrücklich so genannt wurde.
00:23:00: Amerikanismus war amerikanischer Nationalismus, hat Zeodor Roosevelt erklärt.
00:23:05: Dieser amerikanischen Nationalismus sei ein demokratischer Nationalismus.
00:23:10: Das heißt also einen Nationalismus der sich im Grunde genommen eben nur auf die Oberschichten stütze könne unter den Bedingungen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht bestehen!
00:23:20: Es müsse tatsächlich gelingen, die gesamte Nation dazu zu bringen in einem Akt der demokratischen Mobilisierung sich hinter die Sache ihrer Nation zu stellen.
00:23:31: Einen anderen Weg gebe es gar nicht und den müssten die Deutschen eben auch beschreiten lernen.
00:23:36: Das alles hat eher in dem Werk das Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erscheint über die Notwendigkeit der Nationalerziehung kurz dargelegt Held herausgemacht, dass er sich berufen fühlte eine solche Nationaleziehung der Deutschen in dem eben spezierten Sinne voranzutreiben.
00:23:58: Allerdings Möller war in dieser ersten Phase eben nie nur jemand, der sich für das politische interessierte.
00:24:06: Sein Interesse an den kulturellen Bereichen war keineswegs erloschen und so hat er eben für den Piper Verlag, für den auch die Dostoyevsky-Ausgabe vorantrieb Für den Pipper Verlag eben auch ein ursprünglich auf mehrere, wahrscheinlich sieben Bände angelegte Werkreihe geplant über die Werte der Völker.
00:24:31: Von diesem sehr ambitionierten Projekt sind nur zwei Bände realisiert worden – der erste eben über die Kultur Italiens.
00:24:37: Da hatte man sich im Hause Piper ursprünglich sowas wie ein Bedecker vorgestellt.
00:24:41: Das heißt also so einen schmalen Reiseführer den Reisende dann eben auch bequem in sein Gepäck unterbringt und mitnimmt.
00:24:48: Und dann mal nachschlägt, was man jetzt als nächstes besichtigen könnte.
00:24:52: Das was Möller abgeliefert hat ist ein Ziegestein.
00:24:55: das heißt also ich besitze eine Dünndruck-Ausgabe die es immer noch so ja und es gibt ne Prachtausgabe mit mehr Abbildungen diesso.
00:25:02: dass heißt das Ding passt tatsächlich kein Reisegepäck.
00:25:05: selbst bei Naja, in mein Reisegepäck wird sowas eventuell dann doch passen.
00:25:09: Aber unter normalen Umständen mit einer strengen Ehefrau würde das nicht funktionieren.
00:25:15: Dieser Band ist wie gesagt vor dem Ersten Weltkrieg erschienen.
00:25:18: Er war nicht ganz der Erfolg den Möller sich erhofft hatte und es ist nur noch ein zweiter Band erschienen und der, nixundhundertsechzehn mitten im ersten Weltkrig unter dem Titel Der polzische Stil.
00:25:29: Ernst Jünger hat einmal gesagt, dass es wahrscheinlich das schönste und geschlosseneste Werk von Mölla van Den Brug und ich bin geneigt, ihm beizupflichten.
00:25:38: Da merkt man tatsächlich das was er da beschreibt, dass was er darcharakterisiert als preußischen Stil, das zeugt von einer nicht nur umfassenden Kenntnis der Kunst- und Kulturgeschichte Preussens sondern eben auch von einer Fähigkeit der Einfühlung.
00:25:58: Das heißt, das ist ein Buch, das bezeichnenderweise nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch nachgedruckt wurde und von dem ich sagen würde natürlich kann man das immer noch lesen.
00:26:05: Und wird befördert davon gehen.
00:26:09: Die Argumentation allerdings ist eben ungewöhnlich.
00:26:13: Das muss man schon betonen.
00:26:15: Denn während ja die übliche Auffassung zur Zeit des Voluminismus war Preußen sozusagen Deutschland schlechthin hat er darauf hingewiesen dass es nicht der Fall Die eigentliche Grundschicht des Preußischen sei etwas, was er das Turanische nannte.
00:26:34: Er war davon überzeugt, dass es eine Bevölkerungsschicht auf dem Gebiet des späteren Preussens gab die dort sogar vor Slaven und Balken schon gesessen habe.
00:26:43: Und dieses turanische Erdverbundene sei einerseits der Faktor, der das Zehe im Preußisch ausgemacht haben aber auch dieses Element des Formbaren, denn das Deutsche ist nicht so besonders formbar.
00:27:04: Der Deutsche als solcher ist eher stuereigensinnig und auf seinen Kirchturm fixiert.
00:27:12: Tut sich deshalb schwer wenn man ihm sagt du musst dich aber fügen damit wir ein großer Staat werden Und dass was sozusagen sowohl von den Ordensrittern wie auch von den Hohenzollern als sie die Mark Brandenburg Übernehmen, genutzt wurde war etwas was im eigentlichen Sinne nicht deutsch war.
00:27:36: Es entsteht eine völlig andere Synthese weshalb das Präussische sich eben auch von allem anderen so deutlich unterscheidet.
00:27:44: Das heißt dass Präußische ist dem bayerischen oder dem österreichischen tatsächlich inkommensurabel.
00:27:53: Da führt vom einen zum anderen kaum eine Brücke.
00:27:56: Wie will man sich denn da verständlich machen?
00:27:58: Manchmal merkt man das ja sogar heute noch und das Preußische ist schon lange untergegangen, aber das was Möller meinte ist eben dass das Entscheidende eines Stilprägung war.
00:28:10: Das heißt kein stammes Bewusstsein nicht Biologie sondern die Entschlossenheit einer Führungsschicht etwas zu formen, was eine Gestalt gewinnt.
00:28:24: Eben einen Stil hat!
00:28:27: Und dieser preußische Stil das war nach seiner Meinung auf den Satz zu bringen durch Einfachheit vornehmen wirken.
00:28:36: Er spricht von einer edel kalten Form und vom preußischen Klassizismus eines Gilly und anderer als eben einem Versuch ein neues Doratum zum Leben zu erwecken.
00:28:49: Und selbstverständlich ist Potsdam fritzisch.
00:28:52: Das heißt also, das ist von seiner ganzen Anmutung etwas völlig anderes als deutsche Mittelstädte oder deutsche Residenzstädter es sonst in der Vergangenheit war.
00:29:02: Das übt die Faszination aus und führt eben beim Möller auch dazu dass seine Wertung preustens eine ist bei der zum Schluss steht das entscheidende Problem sei die Tatsache mit dem Jahr die Entpreußung Präusens begann.
00:29:24: Und davon habe sich Deutschland im Grunde genommen nicht erholt, das sei ein ganz entscheidendes Problem.
00:29:31: Denn wenn in Deutschland nicht das Preussische und der Stil und der Wille dominiert dann dominiert die Romantik.
00:29:41: Die Romantika sagt Möller ist Gesetzlosigkeit.
00:29:45: Er fügt hinzu und das finde ich immer besonders schön dass er das doch ausdrücklich ergänzt hat Stil ist Gesetz, Romantik ist Gesetzlosigkeit.
00:29:55: Auch sie hat ihr Recht im Leben eines Volkes wenn Sie aus einem Überschwanger seiner Menschen kommt Wenn sie Wagnis ist Herausforderung des Schicksals Aufbruch zu unentdeckten Gestaden.
00:30:07: Aber wenn ein Volk nicht an dieser Romantika zerschellen soll Da muss es gleichwohl Bindungen geben die das Leben des Volkes erhalten Die es innerlich zusammenhalten.
00:30:17: starke Klammern der Gemeinschaft und feste Formen der Überlieferung.
00:30:22: Das war sozusagen seine Wollte gegen alles, was im Deutschen natürlich eben als spezifisch Deutsch gilt.
00:30:29: Und das hängt immer mit der Romantik zusammen.
00:30:32: Als er diese Sätze in den Jahr neunzehnten und sechzehn veröffentlicht ist der Erste Weltkrieg schon zwei Jahre im Gange.
00:30:40: Möller, Sie erinnern sich noch nicht?
00:30:42: Der versucht hatte dem Militärdienst zu entgehen, meldet sich neunzelnehnte und vierzehn prompt freiwillig, obwohl er zu dem Zeitpunkt ja bereits ein Alter erreicht hat in dem das eigentlich so nicht mehr akzeptiert wurde.
00:30:53: und es ist auch dieses mal so dass er zwar kurze zeit als landsturmmann noch mobilisiert wird aber man dann aufgrund seiner gesundheitlichen verfassung sagt Das ist nicht möglich.
00:31:02: Er kann eben keinen üblichen militär diensten leisten.
00:31:05: Stattdessen versetzt man ihn beslag nahe angesichts der tatsache dass er ja als Publizist und autor schon einen gewissen ruf hatte ins kriegspresseamt.
00:31:13: Dieses Kriegspressem amt war eine sehr harmlose Variante einer Abteilung für psychologische Kriegsführung und Kriegspropaganda.
00:31:22: Sehr harmlos, muss man wirklich sagen, wenn wir es mit den anderen am Krieg beteiligten möchten und deren Professionalität auf diesem Feld vergleicht dann stammt dann immer wieder über die Amateurhaftigkeit dessen was die Deutschen da so gemacht haben.
00:31:34: Und Möller ist da eher typisch.
00:31:37: Er hat schon seit Jahrzehnten für das Kriegspresseamt eine kleine Schrift verfasst Belgier und Balten heißt sie.
00:31:44: Und in der legt er eben da, dass seiner Meinung nach auch das gehörte zum damaligen Zeitgeist.
00:31:51: Dass man eben in Belgien darauf achten solle den Flamischen also den niederländischsprachigen Teil vom französischen zu trennen zwei ja auch von deutschen Truppen besetzt.
00:32:02: dieser Teil Flandern soll an das deutsche Reich angegliedert werden.
00:32:06: Das war in den Kriegsziel-Debatten der damalige Zeit ein relativ breiter Konsens, das so zu handhaben.
00:32:11: Und was die Balten angehe, ja und damit komme ich nochmal auf meine rote Linie.
00:32:16: Nämlich die Frage der Ostideologie bei Möller-Van den Bruck.
00:32:23: im Hinblick auf diese Balten schlägt er vor das gesamte Baltikum unter deutschen Schutz zu stellen und die Balton zu einem Befreiungskampf gegen die russische Zarenharschaft aufzurufen.
00:32:36: Das war übrigens auch Konsens.
00:32:38: Diejenigen, die das am stärksten verpochten haben waren die Sozialdemokraten.
00:32:42: einer der Begründungen, weshalb die Sozialdemokratie überhaupt bereit war den Kriegskrediten zuzustimmen.
00:32:48: War dass man Krieg gegen Russland führen würde und diesen Krieg das war auch völlig klar, der ja sollte als Befreiungskrieg geführt werden.
00:32:55: Das heißt nach dem Ende des Krieges wollte man das Völkergefängnis der Zaren zerschlagen und in ihre Stelle eben eine Neuordnung dieses gesamten Raums setzen.
00:33:04: Das waren die dahinterstehende Vorstellungen.
00:33:06: also nichts von dem was Möller da vorgetragen hat weil in irgendeiner Art und Weise Aussehen erregen.
00:33:13: Davon kann im Ernst keine Rede sein.
00:33:16: Wichtiger als diese kleine Schrift ist die Tatsache, dass er im Kriegspresseramt einige Männer kennenlernt, die für seinen weiteren Weg und auch für den Weg in den Rahmen auf dem Herr Dr.
00:33:29: Fenz schon hingewiesen hat von Bedeutungsein werden, das er eben im Kriegespresseamt zu diesen Männern-Kontakte aufbaut.
00:33:35: Der erste ist Hans Grimm zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht berühmt Eher ein Autor, einen Schriftsteller den man zwar kennt aber der bei Weitem nicht das Renommee hatte dass er in späterer Zeit haben wird vor allen Dingen wegen seines Romans Volk ohne Raum.
00:33:51: Der zweite ist ein Privatier Ein Adler aus Thüringen der offenbar über so viel Geld verfügt dass es sich um einen Brotberuf nicht scheren muss und der aber eben auf eine bestimmte Art und Weise politischen Einfluss gewinnen möchte.
00:34:05: Das ist Heinrich von Gleichen ist faktisch der Kopf des Bundesdeutscher Gelehrter und Künstler.
00:34:14: Dieser Bund, Deutscher Gelegter und künstler, klingt ein bisschen umständlich war eine Organisation die wenn man so will die deutsche Sache vor allen Dingen im neutralen Ausland vertreten sollte, das übrigens gar nicht so ungeschickt gemacht hat.
00:34:27: Die Art und Weise wie man von dieser Seite da argumentativ vorging war durchaus so dass man sagen muss ja das konnte also vor allen dingen in Ländern wie Schweden beispielsweise auf Resonanz hoffen.
00:34:38: Das war ohne Zweifel so.
00:34:41: Der dritte im Bunde ist Eduard Stadler.
00:34:45: Edward Stadler kommt erst später dazu.
00:34:47: Er hat ein ausgesprochen dramatisches Schicksal gestammt, das war ein Schüler des katholischen Historikers Martin Spahn selbst auch promovierter Historiker Kriegsfreiwilliger von nineteen hundhundert vierzehn Gerät in russische Kriegsgefangenschaft und erlebt als Kriegs gefangener die bolschewistische Revolution was Stadlar derart schockierte dass er, als er nach Deutschland zurückkommen konnte, sofort ein ABC aufgebaut hat.
00:35:17: Ein antibolschivistisches Komitee.
00:35:20: und dieses Antibolchivistische Komiteee hat alles im Vorfeld der November-Revolution von den letzten Jahrzehnten Aufklärungsarbeit und antikommunistische Propaganda betrieben zum Teil ausgesprochen eindrucksvolle Plakate drucken lassen, mit Berichten gearbeitet in denen über die Massenverfolgungen, Massentötungen im bolschewistischen Herrschaftsbereich – es herrscht ja Bürgerkrieg in Russland – aufgeklärt wurde.
00:35:48: Darauf hingewiesen wurde welche Zielsetzung die Bolschewik hier außenpolitisch eigentlich verfolgten und Stadler war außerdem ein ausgesprochene begabter Redner und als Agitator also sicherlich nicht zu unterschätzen.
00:36:02: Erstens Hans Grimm, zweitens Heinrich von Gleichen drittens Eduard Stadler.
00:36:07: diese drei zusammen mit Möller bilden zusammen mit einem guten Dutzend anderer Männer kurz vor Ausbruch der November Revolution eine Vereinigung für nationale und soziale Solidarität.
00:36:25: Das angesichts dessen, was ich ja schon im Vorhinein ausgeführt habe beim einen oder anderen jetzt so eine Erinnerung kommt.
00:36:33: Nämlich dass diese Bedürfnis nach einer Verknüpfung des nationalen und des sozialen das war sozusagen etwas was am Tage lag.
00:36:41: es gab eine unglaublich breite Strömung die davon überzeugt war, dass man angesichts der gegebenen Situation den internationalen Sozialismus nur besiegen könne wenn man ein Nationalen Sozialismus schaffe.
00:36:55: Das war auch eine Überzeugung, die unter Sozialdemokraten diskutiert wurde und wahrscheinlich der prominenteste Verwächter dieser Idee war Walter Rathinau.
00:37:05: Ja ich weiß, er war doch dann irgendwie Gründungsmitglied der linksliberalen deutschen demokratischen Partei.
00:37:09: aber das mit dem Linksliberal war eben so ne Sache.
00:37:14: Walter Rathernauer war fest davon überzeugt die Zeit des Privatkapitalismus sei vorbei.
00:37:18: darüber braucht man überhaupt nicht mehr zu reden.
00:37:20: Aber was erhalten bleiben werde, dass sei eben die Einteilung der Welt in Nationen und jede Nation, die eine aufs äußerste getriebene Zusammenfassung ihrer Kräfte erreichen wolle.
00:37:33: Sei wohlberaten sich einem organisatorischen Sozialismus zu unterwerfen.
00:37:38: Das war alles unendlich weit entfernt von irgendwelchen Menschheitsverbrüderungsträumen oder der Idee in einer Welt, in der es kein Eigentum mehr geben würde, werde das Paradies ausbrechen – damit hatte er das nicht zu tun!
00:37:48: Es war schlicht die Überzeugung, Sozialismus sei die modernste Form, eine Volkswirtschaft zu
00:37:53: organisieren.".
00:37:55: Diese Vereinigung für National- und Soziale Solidarität, also diese Solidarier versuchten vor allen Dingen im Hintergrund zu Netzwerken.
00:38:06: Das war ihre Idee!
00:38:08: Das ABC von Edward Stadler war nach außen gerichtet.
00:38:11: Agitation, Propaganda, Volksaufklärung – aber die Solidariern nicht.
00:38:17: Einig war man sich darin?
00:38:19: Es gibt kein Zurück.
00:38:21: Die Monarchie ist gestürzt vorbei.
00:38:26: Alles was am alten Deutschland hing Vorbei.
00:38:29: Und der Krieg ist
00:38:30: verloren.".
00:38:33: Die Schlussfolgerung daraus hat Müller Ende-Ninzehundertachzehn in seiner Schrift, das Recht der jungen Völker zu ziehen versucht.
00:38:41: Die Schrift hat er noch im Auftrag des Kriegspresseramtes verfasst für die oberste Heeresleitung.
00:38:49: Er sollte Argumente zusammentragen mit denen man von deutscher Seite den Alliierten gegenübertreten könnte, argumentativ gegenübertreden könnte.
00:39:02: Das, was er da wollte knapp zusammengefasst.
00:39:07: Die wesentlich Punkte lauten.
00:39:09: Die Schrift will erstens retten, was am Verhandlungstischel noch zu retten ist.
00:39:12: Zweitens, sie will den Rechtsstandpunkt vorbereiten, den wir unter Berufung auf die Vierzehn-Punkte Wilsons durchzusetzen haben.
00:39:19: Letztens, die Schrift geht davon aus, dass Wilson der einzige Staatsmann ist, zu dem wir Vertrauen haben können.
00:39:25: Aber Wilsson isst Ideologe.
00:39:30: Amerika!
00:39:32: Amerika du meine Hoffnung.
00:39:34: Das heißt, die Vorstellung war tatsächlich diejenige, dass Wülsen es ehrlich gemeint hatte mit den vierzehn Punkten in dem er ausdrücklich festgehalten war.
00:39:41: Die Vereinigten Staaten von Amerika treten in diesem Krieg nur mit dem Ziel ein einen Kriegsende ohne Sieger und Besiegte zu erreichen.
00:39:50: Darauf wollte man Bezug nehmen.
00:39:53: Daruf wollte man letztlich die Amerikaner festnageln.
00:39:56: Und tatsächlich hat Möller im Grunde genommen bis in den Juni, also bis zur Unterzeichnung des Versichervertrages geglaubt Das Wülsen bereit sein könnte als Schiedsrichter, als Unparteilicher aufzutreten.
00:40:10: Angesichts des ungeheuren Renommés das Wülsten damals Genoss also in den Hauptstädten der Alliierten wurde er wie der Messias empfangen.
00:40:17: ist das eine Vorstellung gewesen die im Nachhinein sagen wir vollkommen abwegig?
00:40:22: aber unter den damals obwaltenden Umständen war das sozusagen der Strohhalm nicht mehr.
00:40:28: das wusste Möller auch Aber es war wenigstens ein StrohhALM.
00:40:33: Die Schrift wird schließlich im Pieperverlag veröffentlicht.
00:40:39: In dem Zusammenhang hebt Möller noch einmal hervor, entscheidend sei in Zukunft der Wille zur Demokratie, der Aufbau des Sozialismus und ein Bündnis der jungen Völker.
00:40:50: Er deutet bei dieser Gelegenheit auch an, sollten alle Vorstellungen von einer positiven Rolle der Amerikaner zum Scheitern verurteilt sein?
00:41:01: Bleibe immer noch ein Zusammengehen mit Russland.
00:41:05: Aber das ist sehr, sehr in den Hintergrund gedrängt.
00:41:11: Denn das hängt nicht zuletzt natürlich zusammen mit dem prinzipiellen Antikommunismus, den Möller verfochten hat und indem ihm vor allen Dingen solche Leute wie Gleichen- und Stadler bestärkten.
00:41:24: Wir alle wissen die Blüttenträume, Möllers war nichts.
00:41:29: im Juni, wird der Wasserhervertrag unterzeichnet und dieser Versichervertrag.
00:41:34: mit dem erfüllen sich im Grunde genommen die schlimmsten Befürchtungen, die man auch im Umkreis der Solidarier gehabt hat.
00:41:40: Die Vorstellung, die jetzt im Grunden genommen noch vertragfähig gehalten wird ist dass man das erreichen muss was nicht nur Möller sondern auch andere vorgeschlagen habe Man müsse unbedingt diese neue Demokratie nationalisieren.
00:41:57: Und Stadler sagt sogar Wir müssen die Revolution gewinnen!
00:42:01: Das heißt also, die Revolution ist nicht rückgängig zu machen sondern wir müssen sie bis auf einen Punkt vorantreiben an dem Sie tatsächlich die Basis für eine konstruktive Lösung für unseren zukünftigen Staatsaufbau sein kann.
00:42:14: Um auf diesen Weg weiterzukommen übernehmen im April-Ninzehnteinzehn die Solidaria eine kleine Wochenzeitung mit dem Titel Gewissen später das Gewissen.
00:42:27: Diese Zeitung soll angeblich in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre mit bis zu hunderttausend Exemplaren pro Woche gedruckt worden sein.
00:42:38: Ich weiß nicht, ob diese Zahlen tatsächlich stimmen?
00:42:41: Wenn das tatsächlich gelungen wäre muss man sagen immer war die Resonanz doch ganz erheblich.
00:42:46: In jedem Falle war klar was die Ausgangsformel war.
00:42:50: Den ersten Leitartikel den Stadler geschrieben hat er unter die Überschrift gestellt Weder Lenin noch Wilson.
00:42:57: Also wir unterwerfen uns weder dem Osten noch dem Westen.
00:43:00: Wir werden versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen und kurz darauf notiert ein gewisser Thomas Mann in seinem Tagebuch es gebe unter den ganzen Veröffentlichungen der Zeit im Grunde kaum irgendetwas Brauchbares mit einer Ausnahme das sei diese Zeitung das Gewissen denn die bietet als einzige die Hoffnung dafür dass man etwas Neues in Politizis erfunden könne und zwar etwas Deutsches.
00:43:30: Thomas Mann hat diese Einschätzung mehrfach wiederholt, ist auch extra nach Berlin gekommen um den Kreis um das Gewissen kennenzulernen und sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.
00:43:39: Und der Eindruck war hervorragend!
00:43:43: Also echte deutsche Männer, deutsche Männer die offensichtlich die Zeichen der Zeit verstanden hatten und in der Lage waren darüber nachzudenken wie man aus diesem Desaster in das Deutschland geraten war wieder herausfinden könne.
00:43:57: Nun will ich mich nicht weiter verbreiten über die politische Einschätzungsfähigkeit Thomas Manns.
00:44:03: Aber mir scheint es doch eben wichtig, dass man sich immer den Eindruck erweckt als ob das so ein Haufen von Randständigen Figuren war, die überhaupt keinen Bezug zum Kulturleben ihrer Zeit hatten – das stimmt selbstverständlich überhaupt nicht!
00:44:16: Das war tatsächlich eben ein Kreis der eine erhebliche Strahlkraft besaß.
00:44:22: Man hat sich auf Seiten von Gleichen, Möller und Stadler unmittelbar nach dem Abschluss des Wasserjahrvertrages dazu entschlossen die Solidarier aufzulösen.
00:44:33: Und stattdessen einen Club zu gründen nämlich den Juni-Club.
00:44:37: der hatte vorher schon E-Clube geheißen und zwar deshalb weil Heinrich von Gleichen in der Potsdamer Privatstraße hundertundzwanzig i seine Wohnung hatte wo man sich regelmäßig traf Aber nach dem Abschluss des Versaiervertrages gründete man eben wegen des Monats, in denen dieser Vertrag abgeschlossen worden war einen Uni-Club.
00:44:58: Die linke Intelligenz hatte vorher schon ein November Club gegründet.
00:45:01: Wegen der November Revolution.
00:45:03: jetzt gründeten wir einen Uni Klub um gegen Versailles und selbstverständlich damit auch gegen die Weimarer Republik vorzugehen wenigstens auf intellektuellem Feld.
00:45:15: Bitte?
00:45:17: Nein!
00:45:18: Der Uni-Klub ja Aber nicht das Privathaus.
00:45:23: Der Uni-Klub verstand sich im Grunde genommen als Think Tank, würde man neulich sagen.
00:45:29: Das war eine Denkgemeinschaft.
00:45:31: Man gab einen eigenen Sammelband heraus die neue Front in dem alle Vertreter ihren Beitrag geleistet haben zu allen denkbaren Aspekten des gesellschaftlichen und politischen Lebens.
00:45:45: Man muss allerdings bei Sichtung auch ganz klar sagen eine konsistente Weltanschauung stand nicht dahinter.
00:45:55: Man hatte gemeinsame Überzeugungen, man hat auch gemeinsame Feinde.
00:45:59: aber dass man im Ernst behaupten könnte da habe irgendjemand von A bis Z ausbuchstabiert worum es in Zukunft gehen solle das ist meiner Meinung nach wirklich falsch.
00:46:09: nichtsdestotrotz der Uni Club wird zum Zentrum der sogenannten Ring Bewegung.
00:46:13: diese Ring Bewegungs hat sich in relativ kurzer Zeit in allen größeren deutschen Städten ausgebreitet hat dort überall ebenfalls Clubs gebildet, in denen sich vor allen Dingen Männer seltener Frauen getroffen haben.
00:46:28: In regelmäßigen Abständen um die politischen Fragen zu diskutieren oder Vorträge zu hören.
00:46:33: und die Verbindung, die von Seiten des Uniclubs aufrechterhalten wurde, die hat schon eine nicht unerhebliche Rolle gespielt.
00:46:43: Es ist allerdings so dass in dieser Übergangszeit zwischen November Revolution Abschluss des Versaillervertrags und dann dem entscheidenden Bürgerkriegsjahr, die politischen Debatten im Grunde auch kaum erlaubt haben sich jetzt mit prinzipiellen ideologischen Fragen auseinanderzusetzen.
00:47:03: Denn die Forderungen des Tages waren andere.
00:47:06: Eine wesentliche war eben die Frage wie würde man außenpolitisch aus den Zwangslagen des Versaja-Vertrages herauskommen können?
00:47:15: Und in diesem Kontext wurde eine Option diskutiert gerade auf Seiten der politischen Rechten, die man als nationalbolschewistisch bezeichnet hat.
00:47:26: Allerdings dieser Begriff suggeriert auch mehr Eindeutigkeit, als er tatsächlich hergibt.
00:47:31: Nationalbolschivismus konnte bedeuten Teile des alten Offizierskurs aber durchaus auch Vertreter der Reichswehr überlegten wie man durch eine militärische Zusammenarbeit mit Russland angefangen bei Wir bilden während Leute aus, die bilden unsere Leute aus.
00:47:51: Wir dürfen bei ihnen Waffen erproben, die wir selbst aufgrund des Wasserhörvertrages nicht haben können und wir halten uns die Option offen diese militärische Zusammenarbeit eventuell zu verstärken.
00:48:05: minimal Form von Nationaldeutschismus bis hin zu der Idee man müsse im Grunde genommen eine kommunistische Konzeption entwerfen in den Farben schwarz-weißrot.
00:48:18: Das heißt tatsächlich, Lininismus mit allem was dazugehört aber eben nationalistisch orientiert.
00:48:27: Und das bedeutete dann natürlich auch im Grunde genommen Revolution und gleichzeitig Beginn eines Revanchkrieges gegen die Westmächte.
00:48:38: In diesem breiten Spektrum bewegte sich das was man unter Nationalbolschewismus verstand und man muss ganz klar sagen da passt Möller nicht hinein.
00:48:47: Er hat schon in einem Aufsatz vorgehoben, dass es selbstverständlich notwendig sei für Deutschland Völlige Selbstständigkeit seiner Position zurück zu gewinnen.
00:48:58: Das heißt er aber auch völlige Selbständigkeit gegenüber Russland wenn man mit Russland in irgendeine positive Relation kommen soll.
00:49:07: Der Rapallo-Vertrag wird selbstverständliche begrüßt Aber macht sich keine Illusionen.
00:49:13: Möller sagt an einer Stelle mal Wir haben nicht vergessen, dass in dem Augenblick als wir tatsächlich da niederlagen die Kommunisten in Deutschland der Meinung waren sie müssten jetzt eine Revolution durchführen.
00:49:24: Die uns im Grunde genommen das Rückgrat hätte brechen können.
00:49:27: Das werden wir nicht vergessen!
00:49:30: Er hat diese Positionen im Prinzip auch durchgefochten im Rahmen der sogenannten Debatte über den Schlagelterkurs.
00:49:37: dieser Schlageltakurs war das Ergebnis einer Rede die Karl Radeck als führender kommunistischer Funktionär vor dem erweiterten Exekutiv-Komitee der kommunistischen Internationale gehalten hat.
00:49:51: Und zwar am zwanzigsten Juni, neunzehnteinundzwanzig.
00:49:54: Man muss vielleicht noch hinzufügen die Kommunisten waren in eine gewisse Schockstarre verfallen angesichts der Tatsache dass in Italien ein gewisser Benito Mussolini einen Exgenosse von ihnen an die Macht gekommen war.
00:50:07: an der Spitze einer merkwürdigen Bewegung von der man bis dahin überhaupt noch nie was gehört hatte und dies eigentlich nach marxistischer Sicht der Dinge überhaupt nicht geben durfte nannte man Faschismus.
00:50:16: Und diese Sitzung, in der Karl Radeck gesprochen hat geht es vor allen Dingen um den Faschwismus.
00:50:22: und er sagt ganz offen selbstverständlich Schlaggäther also der deutsche Offizier- und Freikohrführer Sabotage-Trupps von den Franzosen und Belgien besetzten Gebiet, Ruhrgebiet und Rheinland angeführt hatte.
00:50:37: Von dem Franzosen vor Militärgericht gestellt und dann exekutiert worden ist – nach allgemeiner Überzeugung bis weit in die Linke hinein ein deutscher Held, ein deutschfreihalzheld – dieser Schlageta sei selbstverständlich ein Faschist gewesen.
00:50:52: aber gleichzeitig sagt er auch war ja eben ein Tapfra Soldat der Konterrevolution.
00:50:57: Und das Ziel müsste es sein hunderte und tausende von Schlagethas auf die Seite der kommunistischen Bewegung zu ziehen.
00:51:06: Und solcher Maßen eben eine grau-rote Armee zu schaffen, die den Westmächten den gar ausmachen würde.
00:51:15: Das hat auf Teile der politischen Rechten elektrisierend gewirkt.
00:51:18: Es gab natürlich einige, die gesagt haben genau das ist ja ne ganz großartige Konzeption.
00:51:22: Auf diese Art und Weise nicht.
00:51:24: wir gewinnen einen Millionen her.
00:51:26: Die rote Arme wird Seite an Seite mit den Kampfgestellten ehemaligen kaiserlichen Truppen marschieren.
00:51:33: Und dann werden wir es den Franzosen und den Briten und allen anderen mal zeigen.
00:51:38: Aber man muss eben auch sehen, dass diese Vorstellung – auch wenn sie eben zum Beispiel bei einem Mann wie Ernst von Ravenloh der tatsächlich ein erhebliches Renommee vor allem in der völkischen Bewegung hatte auf eine vorsichtige Sympathietraf aber so ganz ohne Wenn und Aber war eigentlich niemand bereit auf dem Vorschlag von Radeck einzusteigen.
00:51:58: Möller schon gar nicht.
00:52:00: Denn Mölla ahnte natürlich, also das Raddeck ja nicht nur einer der findenreichsten kommunistischen Funktionäre war er hatte ja während der Novemberrevolution in Deutschland gezeigt worum es gehen würde sondern er hat eben auch deutlich gemacht dass man wenn man betont dass aus raumpolitischen Gründen, wie er das nannte – es notwendig sein kann mit Russland ein positives, vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.
00:52:33: Man doch gleichzeitig begreifen müsse, dass der Osten als solcher nicht etwa der einzige Faktor für eine deutsche Außenpolitik sein kann.
00:52:43: Dass sei ausgeschlossen.
00:52:44: angesichts der geopolitischen Lage in der Mitte Europas könne man eine derartige Einseitigkeit nicht akzeptieren von den Gefährdungen jetzt gar nichts zu reden, die dadurch aufkam dass dort ein Regime an der Macht war das bei anderer Gelegenheit seine völliges Gruppelosigkeit unter Beweis gestellt hatte.
00:53:03: Möller war also vor allen Dingen davon überzeugt, dass die Absichten von Radeck nicht sauber waren und diese Überzeugung hat er auch später nie wieder korrigiert.
00:53:13: es ist meiner Meinung nach überhaupt nicht erkennbar dass er etwa an irgendeiner Stelle seiner Argumentation je zu einer eindeutig oder wenigstens überwiegend positiven Haltung gegenüber dem Plan einer direkten deutsch-sorvietischen Kooperation gekommen wäre.
00:53:29: Ihm ging es immer darum klarzustellen, wir müssen als Deutsche unsere Handlungsfähigkeit wieder gewinnen wenn ein Zusammengehen mit Russland über eine gewisse Strecke uns dabei hilft nur zu aber wir müssen den Blick behalten mit wem wir es da zu tun haben.
00:53:43: das ist kein Staat wie alle anderen auch.
00:53:48: diese Art der Argumentation Könnte man Spiegeln in den Stellungnahmen, die Möller in dieser Zeit auch im Hinblick auf innenpolitische Fragen an den Tag gelegt hat?
00:53:59: Nehmen wir den Kaputsch.
00:54:01: Es ist wirklich erstaunlich zu sehen wie im Gewissen mit einer Radikalität dieser Kaputsche abgelehnt wurde weil man einfach gesagt hat das ist alles derart dilettantisch dass man sich die Haare raufen möchte.
00:54:13: Also wenn man schon putzt, dann muss man sich das aber vor alles ein bisschen besser überlegen und nicht schließlich daran scheitern dass irgendjemand sagt nein also die Schlüssel für die Stadtkasse rück ich nicht raus und nun sehen Sie mal zu wo sie die Siegel her kriegen.
00:54:25: So geht es eben nicht ja?
00:54:27: Das ist der eine Faktor den man da sehen muss.
00:54:29: Das zweite ist die immer wieder auflammende Diskussion ob unter den gegebenen Umständen es nicht besser wäre Deutschland unter eine komissarische Diktatur zu stellen.
00:54:38: Also nicht einfach auf Dauer!
00:54:39: aber eben doch für eine Übergangszeit angesichts der außergewöhnlichen Notlage, in der sich das Reich befand.
00:54:45: Ob es da nicht besser wäre beispielsweise die vollziehende Gewalt an die Reichswehr zu übertragen oder einzelne Persönlichkeiten.
00:54:51: Hugo Stinnes ist damals auch ein oft diskutierter Name gewesen solche Leute wie Hugo Stinnes an die Spitze zu stellen und zu sagen Die genießen eigentlich oder müssten eigentlich das Vertrauen aller politischen Gruppierungen genießen.
00:55:06: In dieser Situation ging es selbstverständlich auch um einen Mann aus München.
00:55:12: München war ja zum damaligen Zeitpunkt die Ordnungszelle des Reiches.
00:55:16: unter einem gewissen Gustav von K, herrschten da Zustände wie sie im Rest des Reichs kaum herrschten und diese Ordnungszelle des Reiches hat auch ein Entfaltungsspielraum für einen gewissen Adolf Hitler gelassen.
00:55:29: Hitler soll bereits im Frühjahr neunzehnundzwanzig an einer Veranstaltung des Uni-Clubs teilgenommen haben Und es ist immer wieder die Frage diskutiert worden Wenn Müller anwesend war, und das war ja sehr wahrscheinlich.
00:55:42: welchen Eindruck hat Müller denn überhaupt von Hitler gehabt?
00:55:46: Wir haben darüber leider kein Zeugnis aus erster Hand.
00:55:49: Er selbst hat sich nicht dazu geäußert aber es gibt eine Äußerung eines seiner Freunde der allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben hat Möller habe nachdem er Hitler da persönlich begegnet sei sich entsetzt abgewandt und mit der Bemerkung, der Kerl begreift es nie erklärt.
00:56:09: Das habe keinen Zweck, also mit dem können wir nicht
00:56:11: zusammenarbeiten.".
00:56:13: Ob das so gewesen ist?
00:56:15: Kann ich nicht sagen!
00:56:19: Nach dem Novemberputsch, neunzeigundzwanzig hat Möller jedenfalls geschrieben Es ist manches gegen Hitler zu sagen aber eines wird immer für Hitler zu sein Aber ein Fanatiker für Deutschland etwas was sehr selten in Deutschland ist.
00:56:35: Hitler ist an seiner proletarischen Primitivität gescheitert.
00:56:39: Er verstand nichts, sein Nationalsozialismus geistig zu unterbauen.
00:56:45: er war verkörperte Leidenschaft aber ganz ohne Abstand und Augenmaß.
00:56:50: Man muss sich klar darüber sein.
00:56:52: das ist ein Urteil über den Hitler von Jahre nach dem Tod von Möller notiert.
00:57:11: Er habe Hitler persönlich unserem verstorbenen Freund im Müller von den Buch erklärt, dass er in der Ringbewegung das gefunden hätte was er zur Ergänzung seiner Massenbewegungen bisher vergeblich gesucht haben.
00:57:22: aufrechte nationale konservative von geistigem Format die mit dem Volk zusammengehen wollten aber einen Parteiismus ablehnen der anstatt des Klassenkampfes von unten eine Zerreißung der Nation in der Horizontale erreicht.
00:57:38: Ich bin da ehrlich gesagt skeptisch.
00:57:41: und zwar bin ich deshalb skeptisch, weil in der Privatbibliothek Hitlers sich tatsächlich nur ein einziges Buch von Möller van den Brug befindet.
00:57:49: das ist das dritte Reich und wir wissen aufgrund der Wittmunk auch dass das von einer von Hitler wenig geschätzten Gönnerin an Hitler geschenkt wurde mit dem Hinweis darauf wichtiges Buch für die nationale Bewegung sei.
00:58:06: Aber es gibt kein einziges Beispiel dafür, dass Hitler sich etwa auf Möller von den Brook berufen hat.
00:58:13: Er hatte übrigens auch dem Begriff das Dritte Reich gemieden wahrscheinlich weil er sich sagt wenn jemand vom dritten Reich redet könnte eventuell irgendwann auch jemand anfangen von einem vierten zu reden.
00:58:22: Das wollen wir mal lieber vermeiden.
00:58:24: Stattdessen ist das Dritte Reich zu einer Schlüsselformel für die nationalsozialistische Linke geworden.
00:58:30: Das heißt also, für den Kreis um Otto und Gregor Strasser und einen gewissen Josef Göbbels.
00:58:35: Der hat tatsächlich eben eine Broschüre verfasst, Wege ins dritte Reich und ist immer wieder auch auf Möller zu sprechen gekommen allerdings natürlich dann in einer spezifischen Engführung.
00:58:44: Und er hat in seinem Tagebuch ausdrücklich notiert es sei eben eine Tragödie dass Mölla nicht zu uns gehört habe.
00:58:52: Das heißt, es war ja auch Goebbels völlig klar nur konnte sich eben Möller gegen die Einvernahme nach seinem Tod nicht mehr wehren.
00:59:01: Das Dritte Reich ich werde Sie jetzt nicht damit beheldigen welche unglaublich lange geistesgeschichtliche Philosophie geschichtliche Religions historische Tradition dieser Begriff hat.
00:59:12: Wir stellen einfach fest seit der Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert nimmt dieser Begriff in intellektuellen Kreisen, in Deutschland Fahrt auf.
00:59:23: Während des Ersten Weltkrieges schreibt auch Thomas Mann das was man erstreben müsse sei ein drittes Reich eben dem tatsächlich Geist und Macht zur Versöhnung kommen würden.
00:59:35: Das Dritte ist also vor allen Dingen ein Synonym für die Synthese das heißt also für die Verschmelzung dessen was sonst als unvereinbar betrachtet werden kann.
00:59:45: im Falle von Möller ging es darum, dass er der Meinung war man müsse eben den konservativen und den revolutionären Pol verschmelzen.
00:59:54: Zu etwas neuem zu etwas was eben dann tatsächlich diese Bezeichnung als ein Drittes verstehen kann.
01:00:01: Er hat ab neunzehnundzwanzig im Gewissen eine lange Artikelreihe zu veröffentlichen begonnen indem er sich mit diesen Aspekten zu beschäftigen begann und vor allen Dingen auch mit der Frage, was man denn überhaupt unter dem Terminus konservativ noch verstehen könne.
01:00:20: In dem allerersten Beitrag heißt es wir leben umzuhinterlassen wer nicht glaubt dass wir in dem Nu-dem Augenblick in der kurzen Spanne erfüllen den dieses Dasein nur wert ist ein konservativer Mensch.
01:00:33: allerdings endet das ganze auch mit bemerkung dass es in Deutschland eine konservative Überlieferung gab, die verfehlt wurde.
01:00:42: Deshalb so Möller stehe der konservitive Augenblick noch bevor.
01:00:48: Der Konservative steht für ihn in einem unüberbrückbaren Gegensatz gegen den Liberalen.
01:00:54: In dem Beitrag für den Sammelband Neue Front von dem ich schon sprach hat er die berühmte Formel zum ersten Mal verwendet an Liberalismus gehen die Völker zugrunde.
01:01:03: nicht am sondern an Liberalismus gehen die völker zu Grunde.
01:01:07: Er hatte Überzeugung, dass Liberalismus ein zersetzendes Moment in der Geschichte der europäischen Völker sei und im Grunde genommen eben zur inneren Aushöhlung und Zerstörung all der Bestände führe die bis dahin dafür gesorgt haben das die europäischen Nationen das geworden waren was sie geworden waren.
01:01:26: Liberalismus hat er das alles zerstört, zersetzt in einem dauerhaften Prozess und zu einer völligen Geistesverwörung geführt.
01:01:35: Warum?
01:01:36: Der Liberale ist per se opportunist und sein Opportunismus, seine Bereitschaft sich grundsätzlich jedem Verhältnis anzupassen.
01:01:44: Das trage wesentlich dazu bei dass er letztlich auch bereit sei die besten Dinge zu verraten selbst das eigene Vaterland.
01:01:54: Denn in seinem Inneren heißt es bei ihm Ist der Liberale ein Westler.
01:01:58: Das heißt er mag gar nicht gekauft sein aber kann im Grunde gar nicht anders.
01:02:02: Er denkt in einer Art und Weise, die mit dem deutschen Traditionen nichts zu tun hat.
01:02:07: Sondern die dementspricht was unter den Kriegsgegnern Deutschlands gedacht wurde.
01:02:11: auch hier klammer auf.
01:02:13: wenn sie die Betrachtung eines unpolitischen von Thomas Mann lesen werden Sie feststellen oh ja das war auch wiederum gar nicht so selten dass so argumentiert worden ist wie an dieser Stelle der Reaktionär.
01:02:26: dem kann man zwar nicht dieselben Vorwürfe machen wie dem liberalen aber auch dem reaktionäer muss man sagen dass er für die zukunft unbrauchbar bleibt.
01:02:35: Das heißt, er versteht nicht.
01:02:36: Er versteht vor allen Dingen nicht, dass wenn etwas konserviert werden kann dann die Lebenskraft aber nicht die tote Form.
01:02:44: Das heißt man muss verhindern das Reaktionäre in irgendeiner Art und Weise Einfluss gewinnen auf das Geschehen weil sie eben an den toten Formen hängen und ihre Energie auf etwas verschwenden was tatsächlich im Grunde genommen völlig unbrauchbar ist.
01:03:00: dagegen kann man mit dem Sozialisten ein Bündnis schließen.
01:03:04: Der Sozialist hat echte Überzeugungen.
01:03:07: Der Sozialists steht, der Moderne positiv gegenüber.
01:03:11: Der Socialist ist vom Ordnungsprinzip überzeugt.
01:03:15: Das heißt er weiß wenn wir tatsächlich den Sozialismus realisieren wollen dann geht das bloß mit Hierarchie, dann geht es bloß Mit einer strengen Ordnung Dann geht das im Grund genommen eben bloß so wie August Bebel die deutsche Sozialdemokratie organisiert hat.
01:03:29: Das heisst im Zweifel marschiert man in Rei und Glied Und damit, meint Möller kann man durchaus etwas anfangen.
01:03:37: Auch das eine Argumentation mit der er nicht alleine stand.
01:03:39: Preußentum und Sozialismus von Oswald Spengler viel erfolgreicher zum Leit Möllers als seine eigenen Schriften hat im Grunde ganz ähnlich argumentiert.
01:03:51: die sagen wir einmal dauerhaft gespannten Beziehungen zwischen Mölla und Spenglar haben meiner Meinung nach noch nicht zuletzt darin ihre Ursache dass sie eben an vielen Stellen sich so ähnlich waren aber Spengler das dann doch mit mehr Werf und zugegebenermaßen auch mit mehr intellektueller Brillanz vorzutragen wusste, als es für Müller möglich war.
01:04:10: Müller hat in diesem Zusammenhang klargestellt dass der Konservative eben unter den gegebenen Umständen aufgerufen sei das deutsche Schicksal zu wenden.
01:04:20: er sei der einzige der so fest verwurzelt in der Geschichte stehe und gleichzeitig so deutlich sehe Das Veränderung sogar Revolution unabdingbar sei.
01:04:31: Das angesichts dessen dem Konservativen die entscheidende Aufgabe Zufall.
01:04:37: Auch diese Vorstellung von Konservativismus ist nichts, was sich zuerst bei Möller findet.
01:04:41: Ein Autor, von dem ich sagen würde er ist wirklich zu Unrecht vergessen, ist Paul de la Garde.
01:04:49: Ja ja, ich weiß, Paul de La Garde hat auch ein paar ganz furchtbare Dinge geschrieben Aber nebenbei war er auch ein außerordentlich bedeutender Philologe.
01:04:58: das ist das eine.
01:04:59: und zum zweiten hat er in seiner Zeitkritik zum Teil Formulierungen verwendet und Gedankengänge verfolgt, bei denen man zugeben muss das war bestechend.
01:05:14: Thomas Mann hat den dem von mir schon erwähnten Buch Betrachtung eines unpolitischen immer wieder auf Lagarde bezugnommen Und man geht allgemein davon aus dass lagart tatsächlich vor dem ersten weltkrieg für die gebildeten vor allem für die jüngeren gebildete deutschland der maßgebliche autor war Und zwar eben nicht wegen seines Antisemitismus, sondern also seiner ganzen sonstigen Tierarten.
01:05:35: Nein nein!
01:05:35: Sondern wegen seiner Schriften zur Kultur und wegen seiner Zeitanalysen die zu dem Zeitpunkt auch schon einige Jahrzehnte auf den Buckel hatten aber deren prognostische Fähigkeit und analytische Bedeutung man überhaupt nicht bestreiten konnte.
01:05:48: Und bei Lagarde findet sich eben schon diese Formulierung dass der Konservative aufhören muss Die Vorstellung zu kultivieren es gehe darum irgendeine Form zu bewahren, die kein Leben mehr in Sicht trage.
01:06:04: Für den Konservativen müsse er es immer darum gehen, den Lebensstrom zu erhalten der müsse davor bewahrt werden zu versandten und er müsse da vorbewahrt werde von irgendjemandem aufgestaut zu werden.
01:06:18: das sei die eigentliche Aufgabe des konservatiefen.
01:06:20: diese auffassung von konservativismus war eben auch die auffassung die von seiten Möllers vertreten wurde.
01:06:28: schreibt an einer stelle Was heute revolutionär ist, wird morgen konservativ sein.
01:06:34: Ewig löst Erhaltung den Umsturz ab und holt nach was dieser unterließ – stellt richtig was dieser verfehlte!
01:06:41: Wir wollen nicht die Revolution weiter treiben sondern die Ideen der Revolution in ihr lagen und die sie selbst nicht verstand.
01:06:48: Wir wollen diese revolutionären Ideen mit den Konservativen verbinden, die sich immer wieder herstellen und wollen sie konservative Revolutionäre dahintreiben wo wir Zustände erreichen bei denen wir wieder leben
01:06:59: können.".
01:07:00: Zustände erreichen bei denen wir wieder leben können.
01:07:06: Diese Formel, die er hier benutzt hat, hat meiner Meinung nach ganz wesentlich dazu beigetragen dass die Argumentation Möllers in einer jüngeren Generation von rechtsintellektuellen breiteres Gehör fand.
01:07:20: Die hörten nicht unbedingt zum Kreis um das Gewissen aber sie waren auch davon überzeugt dass eben die älteren Konzepte von Konservatismus oder der neue Deutsch-Nationalismus nicht das waren, worum es eigentlich gehen würde.
01:07:36: Möllers Idee hat schließlich ihre kondensierte Gestalt in einem Buch gefunden, in dem vor allen Dingen die von mir zitierten Artikel zusammengefasst wurden.
01:07:47: Dieses Buch sollte ursprünglich die dritte Partei heißen und zwar die Dritte Partai weder konservativ noch revolutionär sondern konservativ revolutionär Die Partei der Synthese, die wahrhaft deutsche Partei.
01:08:03: Das war seine zugrunde liegende Vorstellung.
01:08:06: Ob er damit tatsächlich meinte dass man eine solche Partei organisieren sollte wird im Grunde genommen nicht deutlich.
01:08:13: Er hat sich unter dem Einfluss seines jungen Freundes Max Hildebert Böhm aber dazu entschlossen das Buch das Dritte Reich zu nennen.
01:08:23: Es ist meiner Meinung nach nicht ganz zu klären in wie weit Müller sich klar darüber war was da alles mit hineingenommen wurde, wenn man jetzt plötzlich vom Dritten Reich zu sprechen begann.
01:08:37: Und er hat die seltsame Beziehungslosigkeit zwischen diesem Titel und dem Inhalt des Buches auch nicht aufgelöst.
01:08:45: Sie werden nur an ganz wenigen Stellen ausdrückliche explizite Bezugnahmen auf diesen Terminus das Dritte Reich finden und sie werden in dem Buch stattdessen eine seltsamere Prognose finden.
01:08:58: Das deutsche Volk ist nur zu geneigt, sich Selbsttäuschungen hinzugeben.
01:09:03: Der Gedanke des Dritten Reiches könnte die größte aller Selbsttauschungen werden, die es sich je gemacht hat.
01:09:10: Es könnte an ihm zugrunde
01:09:11: gehen.".
01:09:24: dass vongleichen und Stadtler auf die zukünftig einzuschlagen der Strategie nicht einig werden konnten.
01:09:39: Stadtler wollte im Grunde genommen weitermachen, Stadtler war davon überzeugt man müsse eben eine nationale Revolution ausrufen.
01:09:45: Die Nationale Revolution müsste ein tatsächlicher Umsturz sein.
01:09:48: es müssten auch die Besitzverhältnisse in Frage gestellt werden um einen neuen Sozialismus zu schaffen einen deutschen Sozialismus.
01:09:54: aber vor allen Dingen sei es eben unumgänglich eine revolutionäre Politik unmissverständlichen Sinne des Wortes vor uns zu treiben.
01:10:03: Demgegenüber war Heinrich von Gleichen je länger, je mehr der Überzeugung dass das nicht funktionieren werde.
01:10:12: Die Republik kam allmählich zur Ruhe sie stabilisierte sich und diese Stabilisierung war eben nicht einfach zu übergehen sondern man musste sich diesen neuen Verhältnissen in irgendeiner Art und Weise wenn nicht anpassen dann musste man sie aber zur Kenntnis nehmen und sich überlegen was das bedeutete.
01:10:29: Ja, deshalb begonnen einen Netzwerk aufzubauen.
01:10:31: Also Verbindungen in die Politik bis hin zu dem nachmaligen Reichskanzler Hans Luther geführt hat die Betreffenden auch in die Kommunikation einbezogen und hat immer wieder betont dass es eben nicht darum gehen könne jetzt eine nationale Demokratie zu kreieren sondern man müsse eben eine neue Führungsschicht schaffen.
01:10:52: Klammer auf!
01:10:52: In der der Adel eine nicht unerhebliche Rolle spielen würde.
01:10:59: Konfrontation war angesichts der Tatsache, dass der Uni-Club in hohem Maße von den finanziellen Zuwendungen von Gleichens lebte im Grunde genommen was das Ende an Betraf vorbestimmt.
01:11:11: Stattler verlor als erstes die Herausgeberschaft des Gewissens.
01:11:15: dann löste Heinrich von Gleichen den Uni-Klub auf und gründete stattdessen den Herren Klub.
01:11:20: Nomen ist Omen Und dieser Herrenklub ja da war für solche Leute wie Eduard Stadtler kein Platz mehr ob für Möller von dem Brug noch Platz gewesen wäre, ist schwer zu sagen.
01:11:34: Es ist tatsächlich so dass nach der Auflösung des Juni-Clubs, im Herbst von hier hat Mölla einen Nervenzusammenbuch erlitten.
01:11:51: Mehr als Indizien gibt es nicht dafür das seine seelische Labilität schon immer ein Faktor war.
01:12:00: Er war eben in vieler Hinsicht auch einfach ein sehr sensibler, sensitiver Mensch und hat sich viele Dinge auch sehr zu Herzen genommen.
01:12:09: Und sah selbstverständlich auch das viele der Ideen die man gehabt hatte in den vergangenen Jahren zu keinem Erfolg geführt haben.
01:12:15: aber ich will da jetzt mit der Spekulation und dem Psychologisieren nicht zu weit gehen.
01:12:19: feststeht jedenfalls dass er das sieht man auch an der immer weiter zurückgehenden Zahl seiner Publikationen sich eben Stück für Stück zurückgenommen hat und auch nicht bereit war, in diesem Konflikt in irgendeiner Art und Weise einzutreten.
01:12:33: Fest steht immerhin dass er noch den Plan hatte diese Buchreihe die Werte der Völker oder der Italienband und der Preußische Stil schon erschienen waren noch einmal fortzusetzen.
01:12:44: aber dazu ist es nicht gekommen.
01:12:46: Er wurde im Frühjahr von dem Krankenhaus entlassen offenbar mit einer positiven Prognose hat aber in einem unbeachteten Moment am dreißigsten April sich das Leben genommen, indem er sich erhängt hat.
01:13:03: Dieser Suizid ist in der großen Öffentlichkeit in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen worden.
01:13:12: also es gab hier oder da kleine Nachrufe in denen einfach nur die Tatsache dass er verstorben sei zur Kennten gegeben wurde aber darüber hinaus nichts.
01:13:22: Dasselbe kann man nicht sagen eben für den Kreis der jüngeren Jungkonservativen die von Möller eben doch sehr beeindruckt waren.
01:13:32: Der von mir schon erwähnte Max-Hiltebert Böhm nennt ihn ja den ungegründen König der konservativen Bewegung.
01:13:40: Und das war eine Vorstellung, die in diesen Kreisen schon eine nicht erhebliche Rolle gespielt hat und die dazu beiträgt dass das Werk Möllers in der Folgezeit keineswegs vergessen wird.
01:13:52: Edgar Julius Jung, der meiner Meinung nach in vieler Hinsicht so etwas wie der geistige Aber Møllers war ich denke das hatte auch selbst so gesehen war zu dem Zeitpunkt noch unbekannt hat aber in einem, ich vermute unveröffentlichten Nachruf geschrieben.
01:14:07: Möllers Werk werde noch lange nachwirken wird erziehend wegweisend bleiben für eine ganze
01:14:13: Generation.".
01:14:20: Mit dieser Formulierung war Jung allerdings konfrontiert mit der Entschlossenheit eines Heinrich von Gleichen einerseits seine Hand auf dem Werk Möller soweit ihm das möglich war zu halten und gleichzeitig alles zu tun um zu verhindern dass solche Vorstellungen von dritter Partei und konservativ revolutionären Vorstellungskonzepten in irgendeiner Art und Weise über den Herrenclub Verbreitung fand.
01:14:44: Das hat diese eigenartige Situation erzeugt, indem diejenigen, die mit der Formel das Dritte Reich – manchmal sogar mit ausdrücklichen Bezug auf Möller van Den Brug – handierten im Wesentlichen die linken Nationalsozialisten waren.
01:15:00: Und ein paar nationalrevolutionäre Kreise am Rande der NS-Bewegung, standen oder mehr oder weniger oponierten.
01:15:10: Jedenfalls dieses Punktes gab es das eigentlich nicht.
01:15:14: Als du in den Dreiunddreißig die nationale Revolution stattfindet, die ja erst mal eine Nationale Revolution sein sollte, gibt es durchaus den einen und anderen, da sagt Das ist jetzt die Stunde eines Mannes wie Malafhanenbrock!
01:15:26: Also wird eine weitere Auflage gedruckt?
01:15:29: Die hanseatische Ballagsanstalt Damals der wichtigste Verlag, der intellektuellen Rechte erwirbt eben die Publikationsmöglichkeiten und man bringt das Buch heraus.
01:15:40: Clazing bringt ein Eising des Leser-Heft mit Ausschnitten aus den Werken Möllers.
01:15:45: Es werden seine Aufsätze wenn auch oft verändert jetzt in Sammelbänden publiziert aber das hält nicht vor.
01:15:56: In der maßgebenden Arbeit aus der NS Zeit über Möller heißt es ausdrücklich der letzte Konservative, aber er hatte mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun.
01:16:08: Darin ist meiner Meinung nach viel Wahres so wie man überhaupt sagen muss dass er in vieler Hinsicht quer zur Zeit stand und gleichzeitig wie ebenfalls einer seiner engsten Freunde Paul Fechter mal gesagt hat kaum jemand so wach wahrgenommen hat welche Ideen am Tage waren welche Vorstellungen Einfluss gewinnen würden.
01:16:36: Das alles war Möller fraglos gegeben, aber die Tatsache, dass wenn wir eine solche Veranstaltung nicht heute sondern sagen wir einmal vor fünfundzwanzig Jahren durchgeführt hätten ich annehme das viel weniger Menschen hier gesessen hätten und unter den Jüngeren, die ja heute in so erfreulich großer Zahl unter uns sitzen erst recht kaum jemand gewusst hätte um wen geht es denn?
01:17:00: darum Himmels willen?
01:17:04: Und so muss man halt feststellen, dass entgegen allen Prognosen die der Geisteswissenschaftler und Historiker stellt.
01:17:11: Manche Autoren offenbar einen Nimbus haben und eine Art von Aura gewinnen, die man sich über ihr Denken schlecht erklären kann.
01:17:23: Aber die letzte Übersetzung des Dritten Reiches, die jetzt gerade publiziert wurde, fand ins polnische Stadt.
01:17:32: Also englisch, französisch, spanisch, italienisch gibt es schon relativ lange.
01:17:37: Mit polnisch hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.
01:17:39: das ist soweit.
01:17:40: kommen würde.
01:17:41: mittlerweile werden sogar seine aufsetzer wieder nachgedruckt in verschiedenen sprachen.
01:17:47: und als sich unlängst in paris war und mit Leuten zusammen die sehr wohl wissen was die konservative revolution in deutschland war reagierte man allseits mit leuchtenden Augen.
01:17:59: Als ich sagte, meine nächste Publikation wird sich auf Möller von den Brücken beziehen.
01:18:03: Ah oui!
01:18:03: Mölla van den Brücke.
01:18:04: Très interessant.
01:18:06: Ich bin einmal gespannt wenn Ihnen das Büchlein dann vorliegt ob Sie das immer noch très interessant finden.
01:18:12: denn das meiste von dem was wir da vor uns haben ist wohl noch einmal mit Ernst Jünger Versteiner Takavia.
01:18:18: ein politisches Programm für die Gegenwart lässt sich da jedenfalls meiner Auffassung nach nicht destillieren.
01:18:23: Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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