Frank-Lothar Kroll: Das Schattenreich
Shownotes
Am 21. Oktober 2026 stellte der Chemnitzer Historiker Frank-Lothar Kroll sein neues Buch über Rußland vor, in dem er einen nüchternen Blick auf das Land wirft. In „Das Schattenreich – Rußlands langer Abschied von Europa“ zeichnet er das Bild einer oberflächlichen Verwestlichung, bei der es versäumt wurde, das Leben der Russen zu verbessern.
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Transkript anzeigen
00:00:06: Herzlich Willkommen zu Forum, dem Veranstaltungspodcast der Bibliothek des Konservatismus.
00:00:12: Sie hören heute das Schattenreich Russlands lange Abschied von Europa Eine Buchvorstellung mit Frank Lothar Kroll Aufgezeichnet am XXI.
00:00:21: Oktober, in der Biblotheke des Konservatismus.
00:00:26: Begrüßung Sebastian Krockenberger.
00:00:30: Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie herzlich in der Bibliothek des Konservatismus zur Buchvorstellung mit Professor Frank Lothar Kroll.
00:00:41: Titel seines aktuellen Buches ist das Schattenreich Russlands lange Abschied von Europa.
00:00:48: Wie der Titel schon sagt geht es um das Verhältnis zwischen Russland und Europa ein Thema zu dem denke ich den meisten spontan irgendetwas einfallen wird.
00:01:00: Der eine denkt vielleicht an Peter der Große, die die Modernisierung des Landes vorangetrieben hat.
00:01:06: Der Nächste möchte vielleicht denken an die familiäre Bande verschiedener deutsche Adelshäuser, die diese mit dem russischen Zarenhof hatten.
00:01:16: oder auch die Geschichte der deutschen Auswanderer in Russland ist sehr fasettenreich.
00:01:25: Die russische Kultur, die russischen Musik hat auch breite Rezeption in Europa gefunden.
00:01:32: Prof.
00:01:33: Kroll hat sich eins als Freund Russlands verstanden und sich intensiv auch im Rahmen seiner Forschungstätigkeit der europäischen Geschichte in diesem Land beschäftigt und hat in der Hinsicht immer wieder seine Position überdacht und weitergedacht so ein reiches und facettenreiches Bild des Landes zeichnen, wo eben auch kritische Aspekte zum Punkt kommen wie eben auch der Titel sagt dass es das ist um Abschied von Europa geht.
00:02:08: Ein paar Worte zu Person.
00:02:11: Prof.
00:02:12: Dr.
00:02:13: Frank Lothar Kroll geboren, neunundfünfzig in Aachen aufgewachsen im deutschen Teil des Königreichs Belgien wie man es in der aktuellen Tarkatu-Ausgabe nachlesen kann, wo er geschätzt hat, dass er in einer Monarchie leben konnte und aufwachsen konnte.
00:02:31: Er ist auch ein Kenner der preußischen Geschichte und hat zur Geschichte der deutschen Herrscherhäuser geforst.
00:02:39: Nach dem Studium in Köln und Bonn erfolgte die Promotionhabilitation und nach einigen Professurvertretungen lehrte er dann ab zweitausend an der Technischen Universität Chemnitz.
00:02:53: Er ist Mitglied wissenschaftlicher Beraterkreise Kuratorien und hat sich da auch in vielen Bereichen verdient gemacht.
00:03:03: Herr Prof.
00:03:04: Koll, Sie haben das Wort!
00:03:07: Vielen Dank für die Einladung und für die Vorstellung.
00:03:11: Man ist immer überrascht wenn man Also so vor dreißigvierzig Jahren, da war ich ein kleiner Privatdozent.
00:03:16: Dann hieß es immer Herr Kroll ist dahin bornen und macht irgendwas.
00:03:19: Heute wird immer opulent vorgestellt und man weiß gar nicht ob man das so verdient hat.
00:03:25: zum Teil ja, zum Teil nicht.
00:03:27: viel war auch Glück.
00:03:29: Sie haben schon gesagt worum's geht Herr Gockenberger?
00:03:32: Ich leere seit oder lehrte seit einem Vierteljahrhundert an der als Professor für europäische Geschichte an der Technischen Universität Chemnitz.
00:03:42: Sie kennen Chemnitz vielleicht, das ist keine schöne Stadt.
00:03:45: Aber immerhin hat es eine Universität.
00:03:47: Ein Kollege von mir, Herr Söldner, ist auch heute anwesend und ich habe mich da immer mit der Frage beschäftigt was gehört zu Europa?
00:03:57: Welches Land gehört dazu?
00:03:58: Welche Land gehört nicht dazu?
00:04:00: Was macht Europa aus?
00:04:02: Und daraus ergab sich eben auch die weitere Frage gehört Russland zu Europa!
00:04:07: Ist Russland ein europäischer Macht?
00:04:10: Und wenn ja, warum und wenn nein.
00:04:11: Warum nicht?
00:04:12: Und vielleicht erinnern Sie sich an das Diktum von Michael Gorbatschow.
00:04:18: Der hat diese Frage ob Russland zu Europa gehört vor etwa zwanzig Jahren positiv beantwortet.
00:04:24: Er gesagt Ja!
00:04:25: Das gemeinsame europäische Haus dazu gehört Russland.
00:04:28: Russland ist auch ein Bewohner dieses Hauses so ehrlich hat es formuliert.
00:04:33: Das war vor zwanzich Jahren und ich glaube vor zwanzig Jahren konnte man das ansatzweise bejahen.
00:04:39: Ob man es heute nach zwanzig Jahren noch bejahen kann, ja.
00:04:43: Das ist die große Frage und ob Russland tatsächlich zu Europa gehört?
00:04:49: Ja, die Beantwortung dieser Frage überlasse ich Ihnen nach dem Ende dieses Vortrags.
00:04:55: Aber jetzt noch nicht.
00:04:55: aber hinterher sollten Sie sich mal überlegen und die Frage für sich beantworten.
00:05:02: Ich spreche über das Verhältnis Russlands-Europa aus historischer Perspektive.
00:05:09: Und ich spreche auch nicht primär über aktuelle Befindlichkeiten.
00:05:14: Aber ganz am Schluss werde ich noch einen kleinen Ausblick auf das tun, was sich im Moment in Russland mit Blick auf Europa aus meiner Sicht, aus meiner Fernsicht der vollzieht.
00:05:25: Ich war lange nicht mehr in Russlands weil man da auch nicht mehr so leicht hinkommt und weil ich wahrscheinlich an diesem Buch überhaupt nicht mehr hinkommen werde.
00:05:34: aber das muss man sehen.
00:05:37: es gibt noch zwei Vorbemerkungen, bevor ich Ihnen dann den Inhalt des Buches vorstelle.
00:05:44: Das kommt gleich, das mache ich gleich.
00:05:46: Habe ich da schon angeklickt?
00:05:47: Nein ne?
00:05:48: Nee, kommt gleich!
00:05:51: Ich sage gleich wie das ist.
00:05:54: Bevor ich Ihnen das Buch vorstellte.
00:05:55: zwei Begriffs-Klerungen der Hauptteil dieses Buches, das Schattenreich, du heißt das Buch klingt etwas kryptisch.
00:06:04: was heißt denn das?
00:06:05: ein Schatten Reich.
00:06:06: Und ja, das Wort verweist auf die Doppelgesichtigkeit im Verhältnis Russlands zu Europa.
00:06:14: Was meine ich damit?
00:06:16: Zum einen lag Russland oft im Schatten des Westens.
00:06:20: Man wollte dort aufholen in Russland, man wollte versäumte Chancen wahrnehmen und man wollte europäische Entwicklungsstandards erreichen.
00:06:29: Europareit als Vorbild dessen Schatten man ertrug – das Schattenreich Russland im Schatten Europas, das ist die eine Begriffsvariante.
00:06:40: Die andere.
00:06:41: zum anderen warf das russische Imperium ebenso oft Schatten auf Europa.
00:06:47: Je größer es wurde, je mächtiger er sich sozusagen im Osten profilierte.
00:06:51: deshalb desto gefährlicher schien es.
00:06:54: Es galt in den Augen vieler westlicher Beobachter als permanente Gefahr Als ein Schreckbild vor dem man auf der Hut sein musste Das Schattenreich Europa im Schatten Russlands.
00:07:07: Das sind die beiden Begriffsvariationen, zwischen denen sich der Titel bewegt.
00:07:12: Dann wird das Zuguntertitel des Buches.
00:07:16: Der Untertitel lautet Russlands langer Abschied von Europa und es zeigt ein Bewegungsprozess an.
00:07:23: Wenn es einen Abschied gibt dann muss auch ein Zusammensein gegeben haben denn wo man sich verabschiedet hat man eines Meister zugehört.
00:07:34: Abschied?
00:07:34: Zugehörigkeit.
00:07:36: Und damit sind wir beim mitten im Thema, denn Russland gehörte einmal unweigerlich zu Europa es gehört zur Familie der christlichen Könige des Kontinents.
00:07:51: und jetzt beginnt sozusagen der eigentliche Inhalt des Vortrags.
00:07:54: er hat vier Teile.
00:07:56: ich richte mich dann nicht unbedingt nach der Gliederung in dem Buch den dann würde ich drei Stunden sprechen Keiner mehr warten hier.
00:08:05: Ich habe es ein bisschen zusammengefasst und habe als Vier Kapitel mir überlegt, ich spreche erst über die Vorgeschichte der Europäisierung, dann über die Etappen der Europasierung, dann für die Gegner in Russland und dann wagee ich einen Ausblick Russland & Europa heute oder morgen vielleicht zur nächsten Vorgeschicht.
00:08:30: Jetzt kommt dieser Herr!
00:08:32: Das ist Wladimir der Heilige.
00:08:36: Ja, im Jahr neunhundert achtundachtzig, neun hundert acht und achtzig hatte dieser Fürst.
00:08:42: also der sah natürlich nicht so aus das eine Ikon darstellung und irgendwie anders aus aber das sind so die gängigen Gängigen Herrscher Darstellungen.
00:08:49: Im jahr an den Achtundachzig hat er Fürst Wladimer der Heiliges wie sie sicher wissen das Christentum das Christendom angenommen in seiner östlichen, also nicht römisch-katholischen Variante sondern in seiner orthodoxen Variante, an der bützantinischen Varianten.
00:09:06: Und seitdem, seit der Christianisierung seiner Untertanen hatte es vielfältige Kontakte zum europäischen Westen gegeben.
00:09:15: Vielfältig Kontakte!
00:09:17: Was gab rege Handelsbeziehungen?
00:09:19: Russland war was viele vielleicht gar nicht wissen ganz intensiv in die Hanse eingebunden.
00:09:25: Das sehen Sie hier... Also hier sehen sie Hier sehen sie die Hansel.
00:09:33: Sie sehen Russlands Einbindung über Novgorod und Skorv, es wären auch noch andere Städte in Russland zu nennen.
00:09:40: also Russlands Kontakte über die Hanse gingen durch ganz Europa.
00:09:47: Es gab Warenverkehr, Wirtschaftsaustausch aber es gab auch Kulturelle kulturellen und architektonischen Transfer.
00:09:58: Viele russischen, also Kiefer-Bauwerke aus Infladimir sind – da sieht man ganz deutlich den Einfluss von romanischen Kapitälen zum Beispiel.
00:10:09: Und es gab vor allem ganz wichtig dynastische Beziehungen.
00:10:13: Sie haben darauf schon hingewiesen der Gockenberger Dynastische Beziehung.
00:10:17: Man kann sagen russische Prinzessinnen waren eine Art Exportschlager für die westeuropäischen Fürstenhäuser, vor allem für die skandinavischen Fürsten-Häuser.
00:10:29: Aber auch für Deutsche.
00:10:30: zum Beispiel war die Frau Heinrichs des Fürchten immer in deutscher Kaiser, war eine Kiewerprinzessin sie war die Tochter eines Kiefer Großfürsten.
00:10:39: Mit alledem meine Damen und Herren war Schluss.
00:10:43: Schluss als die mongolische Eroberer, zwölfhundertvierzig in den russischen Raum einfielen.
00:10:49: Man muss es wohl so sagen, Sie vernichteten Kiev und sie setzten sich dort fest mit Ausnahme von Novgorod und Pskov im Nordwesten.
00:11:02: Das ist hier oben drauf, Novgorot und Pskov ist noch weiter nördlich.
00:11:06: Da waren die Mongolen nicht, sonst waren sie überall im russischen Raum und sie waren nachher zu... Hier sehen Sie das Mongolische Reich Ein riesiges Reich und das Gelb skizzierte, dass ist sozusagen der russische Raum.
00:11:27: Da saßen die dort für nahezu ein Vierteljahrhundert bis zum Ende des fünften Jahrhunderts.
00:11:39: Und seitdem war Russland Das muss dann ganz klar betonen von der Kulturentwicklung des Abendlandes weitestgehend abgeschnitten.
00:11:50: Vorher hatte es dazugehört, sozusagen zu Europa aber jetzt war's abgeschnitten.
00:11:56: Die Folgen hier sehen Sie zum Beispiel eine Miniatur.
00:12:02: Russische Fürsten bringen dem mongolischen Kahn Geschenke da.
00:12:07: das war so ein Unterwerfungsgeste mit dessen man sich die Herrschaft über die russischen Teilfürsten sicherte.
00:12:14: Wichtig zu betonen sind die Folgen dieser Mongolien Herrschaft.
00:12:17: Sie waren ganz entscheidend und sie waren ein Grund, weshalb Russland eben von Europa sich entfernte.
00:12:22: Zum einen konnte sich in Russland anders als in Westeuropa.
00:12:26: es konnten sich keine regional verankerten Herrschaftsträger herausstellen.
00:12:32: Damit meine ich zum Beispiel dass es in Russlands keinen selbstbewussten Adel gab wie in Polen oder Ungarn.
00:12:39: Es gab keine parlamentarischen Körperschaften wie in England oder auch in Frankreich.
00:12:44: Es gab eine städtische Magistrate, wie in Deutschland, wegen der deutschen Städte Nürnberg-Augsburg und ähnliches – oder in Oberitalien.
00:12:52: Kurz die Herrschaft der russischen Zaren blieb bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vollkommen uneingeschränkt.
00:12:59: Das war eine mittelbare Folge dieser mongolischen Herrschaft.
00:13:03: Aber es gab noch einen weiteren Grund weshalb die mongolen Herrschaft Russland von Europa trennte.
00:13:10: Während dieses Vierteljahrtausends sind viele für das Selbstverständnis des Abendlandes maßgeblichen Zivilisationsfaktoren in Russland kaum zum Tragen gekommen.
00:13:21: Die Renaissance, die Reformation, der Humanismus, das Erbe der Antike, des christlichen Mittelalters, des römischen Rechts – alles das vermochte sie in Russlands nicht zu entfalten?
00:13:33: Es war als ein fernes Echo zu vernehmen, aber es mochte sich nicht wirklich zu entfalten und ist doch auch nicht nachgeholt worden.
00:13:41: Es gibt was nicht so wie im Westen in Europa.
00:13:45: Die Abschüttelung der Mongolen-Herrschaft war um fifteenhundert vollendet, waren vertrieben wurden und konnten besiegt werden von Moskau.
00:13:55: Aber auch danach verharzte das Reich der Großfürften von Moskal fast zwei weitere Jahrhunderte lang in Distanz zum Westen.
00:14:04: Erst zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts setzten Versuche einer nachholenden Modernisierung ein, eine nachholende Modernisierung.
00:14:12: Man hat diesen Begriff wie Sie alle wissen mit dem Terminus der Europäisierung bezeichnet.
00:14:20: Ja das ist ein etwas merkwürdiger Begriff denn der Begriff europäisierung ist insofern problematisch.
00:14:28: er beruht ja auf einer Voraussetzung nämlich dass Russland nicht so Europa gehört.
00:14:32: Das ist sozusagen Europa nachholen muss.
00:14:36: Sonst wäre der Bericht ja sinnlos, niemand spricht von einer Europäisierung Italien oder einer Europäischen Frankreichs.
00:14:42: Das ist unsinnig!
00:14:45: Das kommt vielleicht noch.
00:14:46: Ja... Europäisierung Bis zum Ende des Zahnenreiches.
00:14:51: in den letzten zehn Jahren hat es insgesamt drei maßgebliche Versuche der russischen Staatsführung gegeben in Europa anzukommen also Man darf das wohl so sagen, wieder Anschluss an westeuropäische Standards zu finden.
00:15:09: Damit bin ich beim zweiten Kapitel die Etappen der Europäisierung.
00:15:14: Den ersten Versuch kennen Sie alle.
00:15:16: Herr Korkenberg habe ich schon erwähnt.
00:15:17: es ist dieser Herr denn das ist nun kein schönes Bild als die Totenmaske.
00:15:22: Peter ist des Großen aber ich finde sie sehr prägend weil sie ihn wirklich darstellt.
00:15:26: Es gibt ja viele gemälde Peters Die sind alle natürlich geschönt und hier sehen Sie eben Ihnen zwar schon als Toten, aber immerhin eine Darstellung die wohl seiner Erscheinung einer was gerecht wird.
00:15:39: Auch künstlerisch interessant diese Totenmaske von einem italienischen Bildhauer übrigens gemacht wurden.
00:15:45: Also dieser erste Versuch Peter der Große während seiner Regierungszeit zwischen sixundneun und achtzig und siebzehn fünfundzwanzig.
00:15:54: Und das Bild kennen Sie auch alle ein ikonisches Bild.
00:15:57: Peter schneidet den russischen Adeligen, den Bojaren die Berter ab.
00:16:06: Wenn sie das nicht machten mussten sich eine hohe Steuer zahlen.
00:16:08: Er konnte aus einem Bart tragen als Adeliger in Russland unter Peter aber da musste, kostete viel Geld und das wollte man nicht unbedingt das Geld ausgegeben für den Bart.
00:16:18: Und ich war noch oft verschmutzt die Berte so mit Leusen und sowas ekelhaft.
00:16:23: Was war das Besondere an Peters Versuch das Land zu europäisieren?
00:16:30: Peter dachte ganz zweckgebunden.
00:16:35: Er wollte Russland Macht im Kreis der europäischen Staaten stärken und er wollte die dafür erforderlichen Instrumente bereitstellen, also eine instrumentelle Europäisierung keine ideelle.
00:16:46: Und das geschah durch Übernahme europäischer Vorbilder vor allem aus Preußen aus Preußen aber auch aus Schweden.
00:16:56: Und ja, wir machen immer Witze.
00:16:58: Weil er ist ein Harfsburger und ich bin ein Hundzoller und das machen wir immer lustige Bemerkungen also Auspräußen.
00:17:05: Das galt vor allem für den Aufbau der Verwaltungsbehörden und ganz wichtig für die Reorganisation des Militärs.
00:17:14: und wichtig ist aber auch dass die dabei im Westen vorherrschenden Beschreibung in der Aufklärung der Aufklarer und der Aufklärung das persönliche Wohl der Untertan zu fördern für Peter ganz nachhängig waren.
00:17:26: Also er war kein Aufklärer in dem Sinne, als ich für seine Untertanen sozusagen das Beste erreichen wollte.
00:17:33: Dass allgemeine Beste befördern wollte aufklärerischen Denkens gemäß und dann erwollte die Macht des Staates maximalisieren.
00:17:43: Das kann auch den Untertanenden aber es sind andere Impulse Und ich nenne das immer eine Modernisierung ohne Westernisierung Eine Modernisierung des Landes ohne Westernierung.
00:17:56: Hundertfünfzig Jahre nach Peter startete dieser Herrscher einen zweiten Versuch, einen zweiten groß angelegten Versuch zur Widerannährung seines Reiches an den Westen.
00:18:10: Ja das war zu Alexander II.
00:18:14: Ich finde nicht nur.
00:18:16: ich finde dass der menschlich sympathischste und charakterlich vorbildlichste Herrschern in Russland jemals besessen hat und vielleicht auch jemas besitzen würde.
00:18:26: ich weiß es nicht.
00:18:28: Alexander II.
00:18:29: war in der Regierung nachdem sein Vater, Zahnikulei I., den Krimkrieg gegen die Türken angezettelt hatte.
00:18:39: Er wollte Konstantinopel erobern.
00:18:43: Und diesen Krieg hat der Russland katastrophal verloren.
00:18:46: Nichts funktionierte!
00:18:47: Die Gewege schossen nicht, die Uniformen passten nicht und die Befehlstruktur klappte nicht.
00:18:52: Das war ein völliges Desaster.
00:18:54: Es war auch deshalb ein Desaster, weil alle europäischen Mächte Bis auf Preußen der Türkei militärisch zu Hilfe halten, zwar aus einem Krieg Russlands gegen ganz Europa.
00:19:23: Diese Niederlage des Zarenreiches hatte den neuen Zaren eben Alexander II.
00:19:29: dazu bewogen, sein Reich von Grund auf zu reformieren.
00:19:34: und diese Modernisierungsmaßnahmen umfassten eigentlich alle Bereiche des öffentlichen Lebens – alle Bereichen!
00:19:40: Und auch sie transportierten erneut wie schon unter Peter dem Großen zahlreiche europäische Muster ins Land zum Beispiel die Verwaltung der Waltung, der Justiz, der Rechtsprechung Rührungsstrukturs, es gab zum ersten Mal Ministerien in Russland.
00:19:57: Das Schulen-Unitätswesen, das Bildungswesen des Militärs und vor allem der agrarische Bereich.
00:20:05: Sie kennen das Jahr darunter jahre Jahrzehnteinundsechzig.
00:20:08: Ach so ein Sicht wurden in Russlands die Leib-Eigenschaft und die Schollenbindung der Bauern aufgehoben.
00:20:15: Das war im übrigen, ich betone das immer fünf Jahre bevor in den USA die Slaverei aufgehoben wurde.
00:20:23: Also da war Russland sozusagen Vorreiter verglichen mit Teil der feinlichen Staaten und das sah dann so aus hier sehen sie eine reiche Bauernfamilie aus Norfgorod.
00:20:39: stammt sie so um?
00:20:45: Mein Favorit ist dieser Herr hier.
00:20:51: Seitdem, seit eighteenundsechzig, trug Alexander II den Ehrennamen der Befreierzar, also Zarausdorobil – das ist also der Ehrenname für den russischen Zaren, die er die Bauern befreite.
00:21:06: Ich muss noch anmerken etwas Trauriges, sein großes Reformwerk, die Anleichung Russlands an die Zivilisation des Westens konnte Alexander II.
00:21:19: nicht mehr vollenden.
00:21:20: Sein Ziel war nämlich, der Russland eine Verfassung zu geben, Russland zu einem Verfassungsstaat zu machen.
00:21:26: Am dritten März, aus dem Jahr eighteenundachtzig, wollte der Zar mit seinen Ministern zur abschließenden Beratung über einen Verfasslungsentwurf zusammenkommen.
00:21:37: Am ersten März fuhr er mit einer Kutsche über den Katharinenkanal in St.
00:21:42: Petersburg.
00:21:43: Dort warf ein Terrorist eine Bombe auf ihn.
00:21:46: Der Zahr stieg aus, verfehlte den Zahren und nur einen Begleiter verletzte es.
00:21:51: Der zahrer wollte also helfen und sich um der Verletzten kümmern.
00:21:54: Da warf einem zweiter Terrorist einer zweiten Bombe.
00:21:57: Und die zerfetze den Zahn völlig.
00:22:00: Beine wurden abgetrennt bis zur Brust.
00:22:03: Das war der Tod!
00:22:05: Und damit verschwand eine nicht eben sehr zahlreichen Lichtgestalten unter den russischen Herrschern Denn der Nachfolger Alexander II.
00:22:15: Der Sohn hat die meisten Reformen des Fahrers wieder rückgängig gemacht.
00:22:19: Das ist ganz wichtig, dass man das merkt und sich behält.
00:22:30: Einen dritten Annäherungsprozess an den Westen.
00:22:35: nach Peter und Alexander II erlebte das Zarenreich dann noch einmal kurz vor seinem Ende.
00:22:42: Und wieder war es ein von Russland angezettelter Krieg auf besonders schmachvolle Weise verloren.
00:22:52: Das war der Krieg Ostlands gegen Japan, wir dachten ja diese Japaner den haben wir ein auf die Mütze.
00:22:58: aber es war eben genau das Gegenteil passiert wieder weil nichts funktionierte.
00:23:02: und es gibt diese lustige oder eigentlich groteske Begebenheit dass die baltische Flotte die ausformen um die Japaner nach dreimonteriger Fahrt vor Zuschieben hat zu besiegen schon am Skagarak Schiffe versenkten englische Fischerboote, weil sie dachten es seien Japaner und das zeigt natürlich schon die Miss-Management.
00:23:29: Und im Gefolge dieses Verlustes, dieses empörenden Kriegsverlusts gegen diese Japaner wie man dachte gab's in Russland die erste Revolution von Ninzeintfünf, ja man weiß es ja.
00:23:42: Diese Revolution hatte den Zaren Nikolaj II.
00:23:47: zu einer ganzen Reihe freiheitlicher Zugeständnisse veranlasst, er musste dazu gedrängt werden.
00:23:51: Er war selbst eher ja passiv und auch nicht besonders klug aber er gab immerhin seine Zustimmung zu diesen Gesetzen.
00:24:00: es gab ein neue Vereinsgesetze die Sensorpolitik wurde liberalisiert Es gab politische Parteien Vereine und Clubs Und das bildete sich in Russland jetzt zum ersten mal dass was man heute Bürgergesellschaft nennt.
00:24:18: Das war in Ostland unbekannt, weitestgehend.
00:24:20: Ansätze gab es schon seit den Achtzehn-Achzieherjahren aber jetzt war das sozusagen diese neuen Gesetze oder befördert?
00:24:30: und die bedeutendste Erhungenschaft dieses liberalen Tauwethers war die Gewährung einer Verfassung und eines von großen Teilen des volkesgewählten Parlaments.
00:24:42: Diese Diese Duma, das russische Parlament heißt ja auch heute noch so.
00:24:47: Besaß ab jetzt bis zum Jahr zebzehn die beiden wichtigsten Kompetenzen, die jede Verfassung und jedes Parlament besitzen muss wenn es sozusagen ein solches sein will und nicht wie Nordkorea nur klatscht.
00:25:00: Und das waren die Teilnahme der Gesetzgebung, die Juristiktion und die Beratung des Staatshaushaltes also die Frage wo das Geld hinkommt und wie's verwaltet wird.
00:25:11: Kein Gesetz konnte ohne Zustimmung der Duma Mehrheit verabschiedet werden.
00:25:16: Weder in Kraft getreten, werden noch verabsiedelt werden und gegen die Duma konnten auch keine neuen Steuern eingeführt werden.
00:25:22: Also dem zarrischen Absolutismus war damit mit dieser Verfassung ein Regel vorgeschoben Und es gab vor allem eine Garantie der bürgerlichen Freiheitsrechte und Grundrechte.
00:25:36: Sie kennen die alle also Unverletzlichkeit der Person des Hauses, des Eigentums.
00:25:43: Freiert der Ortswahl?
00:25:44: Der Berufswahl?
00:25:45: Das gab es vorher alles nicht.
00:25:47: Vereins und Parteigründungsfreiheit, Meinungsfreikeit, Pressefreiheit – Versammlungsfreiheit.
00:25:54: Ab jetzt unterlagen Justiz- und Verwaltung der parlamentarischen Kontrolle.
00:25:58: Ab Jetzt sorgte ein Premierminister mit einem eben zugeochteten Kabinett für die Einhegung der zarrischen, der kaiserlichen Allmachtsfantasien.
00:26:09: Niemals zuvor, meine Damen und Herren.
00:26:11: Und auch niemals wieder danach hat es in Russland ein größeres Maß an freiheitlichen Persönlichkeitsrechten gegeben als in jenen knapp bemessenen Jahren zwischen neunzehnt sechs und neunzentviertzehn.
00:26:23: Man kann wohl sagen dass die Sehnsuchtsziele der russischen europafreunde in Erfüllung zu gehen schienen.
00:26:32: ja und niemand vermag zu sagen wie lange diese Ansätze zur Entfaltung benötigt hätten Wenn sie nicht durch den Ersten Weltkrieg vernichtet worden wären und durch die nachfolgende Herrschaft der bursche Wisten, ja ich fürchte für immer zerstört worden wären.
00:26:50: Übrigens zeigt es, könntest du in den Paradoxien dieser Jahre, das Nacht achtzehnt neunzeit sechs über dreitausend Publikationen eindeutig marxistischen, revolutionären Inhalts in Russland erscheinen und vertrieben werden konnten.
00:27:06: Also die feiertliche Gesellschaft schaufelte sich im Runde mit selbst das Grab – so was kennt man heute auch!
00:27:16: Lenins gewalttätige Macht-Uso-Passion im Oktober.
00:27:21: Brachte in wenigen Jahren eine vollkommene Abkehr Russlands von Europa.
00:27:27: Der Bolschewismus war ein radikaler Bruch mit allen Normen und Werten freiheitlicher Persönlichkeitsentwicklung und bürgerliche Rechtsgesinnung, wie sie von den russischen Europafreunden vor nineteen vierzehn immer wieder eingefordert worden waren.
00:27:42: Und damit bin ich beim dritten Kapitel Den Gegnern der Europäisierung.
00:27:48: Die Bullschirvisten meine Damen und Herren waren nicht die einzigen, wo.
00:27:53: sie waren für mich die ersten Gegner einer Europäisierung des Landes Wenn man unter Eurer Persierung versteht, eine Angleichung an zeitgenössische westliche bürgerliche Standards.
00:28:05: Es war klar die Russische Orthodoxe Kirche hatte seit jeher schon seit den Zeiten Peters des Großen, dem sie entschieden Widerstand leistete starke Vorbehalte gegen jede Art von Westbindung.
00:28:17: Im neunzehnten Jahrhundert waren es dann vor allem zwei Seiten, die sich gegen die Übertragung westlicher Gesellschaftsmodelle auf das Zarenreich wandten.
00:28:28: Auf der einen Seite waren das die radikalen Vertreter, der sogenannten Intelligenzier.
00:28:35: Hier sehen Sie zwei... Nein!
00:28:38: Das ist das Attentat auf Alexander II habe ich leider vergessen.
00:28:41: Also das ist dieses Attentate auf der Katharinenbrücke, ein Bombenattentat.
00:28:50: also natürlich nicht kein Foto sondern sozusagen eine Darstellung aber es ist relativ realistisch.
00:28:55: Hier sehen Sie die Eröffnung der Duma.
00:29:01: Ich brauche einen Bildpfleger, der mich an die Fotos erinnert.
00:29:05: Das ist die Eröffnung der Reichsdumach in den Jahr six.
00:29:08: Hier sehen sie vorne den Zahn mit seiner Frau und dem Tonfolger.
00:29:13: Und das sind sozusagen die Abgeordneten.
00:29:15: Also die gewählten Parlamentarier alle recht schick tragen alle Hofuniformen.
00:29:21: Das war so üblich damals.
00:29:24: Jetzt müsste es aber jetzt das Bild kommen, was ich eigentlich vorstelle.
00:29:27: Ja, da sehen Sie... Das ist Czarniszewski, ihn vielleicht bekannt mit dem Roman Vastun von eighteen Sechzig, den Lenin sehr geschätzt hat also ein Vertreter dieser Intelligenz hier.
00:29:45: Was waren die Angehörigen einer freischwebenden Gesellschaftsschicht ohne festen Berufen der Regel?
00:29:51: und auch mit wenig Besitz nur.
00:29:54: Und diese Autoren gefielen sich in einer kompromisslosen Ablehnung sowohl der autokratie des Zahren als auch der bürgerlichen Gesellschaftsordnung West-Europas, also es gibt zwei Kampfrichtungen.
00:30:08: die autokratietes Zahre wurde abgelehnt aber wollte auch keine bürgernische Gesellschaftshochtung wie im Westen.
00:30:13: was wollte man stattdessen?
00:30:17: dass im Westen vermeintlich vorherrschende bürgerliche Parasitentum an Zitat der Wohlhabenden, der Besitzenden, den Erfolgreichen vernichten und zwar auch physisch vernichten ausrotten.
00:30:29: Man sollte seine Träger rücksichtslos sozusagen zugunsten der nutzbringenden Menschen des einfachen Volkes ersetzen.
00:30:36: Und das Programm dieser radikalen Intelligenzia hieß Entfesselung einer revolutionären Totalumwälzung und errichtung einer gleichheitsfördernden revolutionären Diktatur der niederen Massen.
00:30:47: Man kennt sowas auch von heute, macht jetzt keine Parallelen zu den Dingen die hier in Berlin los sind aber sie können sich denken was ich meine.
00:30:56: Aber, meine Damen und Herren es gab auch von der entgegengesetzten Seite Widerstand gegen die Angleichung des Zarenreiches an den Westen Und dieser Widerstand kam von den Slavophilen und den Panslavisten.
00:31:10: Hier sehen Sie jemanden.
00:31:12: Nein, das ist noch ein Vertreter der radikalen Intelligenz hier.
00:31:18: Das ist Czernitszewski und das ist Dobrolyugov.
00:31:20: So jetzt habe ich es!
00:31:21: Und hier sehen Sie Dreißlerrophile Chomjakow, Kiriepski und Aksakoff.
00:31:29: Die sehen alle ziemlich gleich aus aber haben auch relativ gleiche Ideen und das sind die Hauptvertreter.
00:31:41: Von Kirijewski stammt der ihn vielleicht bekannte Begriff des verfoulten Westens.
00:31:55: Der Westen ist verfault, angefault wie ein Wurm und er ist deshalb verfaulnt weil er das Ideal der persönlichen Freiheit so hoch hält.
00:32:07: Das ist ein Unwort für einen Slavophilen.
00:32:09: Persönliche Freiheit Das ist sozusagen nichts anderes für ein Slavophil, als eine notdürftige Bemäntelung unbegrenzter Selbstsucht und hemmungslose Eigenliebe.
00:32:21: Das sozusagen die Deutung von Freiheit bei den Slavoffilen.
00:32:26: Ach das mochte man so sehen!
00:32:28: Auch manche Intellektuelle im Europäischen Westen übten und üben weiterhin Kritikern einer Überbordung also libertäre Einstellungen.
00:32:36: Freiheit kann auch entarten wenn sie nicht an soziale Verpflichtung gebunden ist.
00:32:40: Aber die Versuchslago-Fielen gingen mit ihrer Europakritik am verfaulten Westen noch erheblich weiter.
00:32:47: Sie kritisierten nicht nur den vermeintlich verfaulten Westen, sondern auch das Werk Peters des Großen.
00:32:58: Denn dieser Zahr habe durch seine aneuropaorientierten Reformen den einst vorherrschenden Zusammenhalt von Zarenherrschaft und Volk zerstört!
00:33:11: In den Jahrhunderten vor Peter gab er das Volk, dass jetzt wichtig keinen Anspruch auf politische Mitsprache erhoben.
00:33:20: Es habe dem Zaren das Recht unbeschränkter politischer Handlungsmacht zugestanden und ihm die Freiheit des Regierens gelassen.
00:33:31: Dagegen habe der Herrscher seinem Volk die Freiheit der persönlichen Lebensführung gewährt.
00:33:37: Von einer Beteiligung des Volkes Am Staatsleben, durch Wahlen und Parlament wie im Westen, wollten die Slavophil nichts wissen.
00:33:45: Ich zitiere mal einen Ausbruch von Aksakov in dem das russische Volk auf politische Freiheit verzichtet sucht es die Freiheit des Geistes.
00:33:57: nur bei einer völligen Loslösung des Volkes von aller staatlichen Macht kann auf Erden eine wahre Volksfreiheit bestehen.
00:34:06: Das ist ein interessantes Zitat, denn heute in Putins Russland stehen solche Einstellungen also Absinenz der Bürger von allen staatlichen Belangen Rückzug ins Private hoch im Kurs.
00:34:20: Darüber hinaus verstanden die Slavophilen ihren Widerstand gegen den Westen aber auch noch aus einem anderen Grund – einem deutlich artikulierten Überlegenheitsgefühl Russlands über den Weste!
00:34:35: Und ich muss es leider sagen, wer dieses Überlegenheitsgefühl damals prominent vervocht war.
00:34:40: Ein Ihnen allen Bekannte und auch von mir selbst geschätzter Schriftsteller, Ferdinand Dostoyevsky.
00:34:46: Jetzt hab' ich das das Bild stimmt!
00:34:48: Es kommt erst noch der Chomjakov aber nun kommen Dostoryevski.
00:34:52: Interessanter ein Fris... Bitte?
00:34:55: Das ist ein bedeutender Stich.
00:35:02: Ja Bedeutend Ein hübscher Mann war das CSG nicht.
00:35:14: Er, also Dostoyevsky versprach Russland und den Russen nichts Geringeres zu als die Vereinigung der Menschheit herbeizuführen.
00:35:27: Kein anderes Volk der Erde sei für diese Mission auserwählt.
00:35:32: Die Welt des Westens sei hoffnungslos verloren denn sie verkommen in Innalismus, in Parteienhader und Klassengegensätzen.
00:35:43: In Russland sei das anders – doch herrscht eine große allumfassende
00:35:49: Volkseinheit.".
00:35:51: Ununkommene entscheidende Zitate aus einer seiner politischen Schriften von achtzeichsundsechzig, daher ist es hoch an der Zeit, dass Russland also ein Zitat von Dostoevsky zusammen mit allen Slaven und selbst an ihrer aller Spitze Der ganzen Welt das größte Wort sagen werde, dass die Menschheit jemals vernommen hat und dass dieses Wort gerade das Gebot der allmenschlichen Vereinigung durch Russland sein wird.
00:36:18: Ja solche Welterlösungsutopien waren bei Dostoyevsky wahrscheinlich ernst gemeint, waren religiös sozusagen untermauert aber sie konnten auch sehr schnell ins realpolitische Kippen.
00:36:33: Solche Utopien wirkten übrigens auch im Bolschewismus nach, denn was bei den Slavo-Fielen und bei Dostoevsky als Religionsmechanismus daherkam erschienen bei den Bolschiewisten als Revolutionsmechanismos.
00:36:48: Als Klassenmission des revolutionären russischen Politariats – nun das sehen Sie hier an Bild ich hoffe es richtet ja der Politarier als Herr der Erde also ein Gemälde aus aus dem Bolozium, das sind achtzehn.
00:37:03: Und hier sehen Sie nochmal sozusagen den Weltherrschaftsanspruch, der Erlösungsanspruch des Bolschewismus.
00:37:10: Die ganze Welt soll durch den Bolschiewismus erlöst werden.
00:37:14: Nicht durch das Christendurm wird es so jetzt gehen, sondern durch den Milchewismus und Russland ist sozusagen die Führungsmacht.
00:37:20: Die Führungsmacht, diese Erlöseung, also dieses Redunion, die Fährungsmachte dieser Erlöhungen zu Wege bringt.
00:37:30: war, wenn man so will das Verhältnis Russlands zu Europa auf den Kopf gestellt.
00:37:36: Denn nun sollte nicht Russland europäisiert werden wie bisher sondern Europa sollte durch Russland bolchevisiert werden.
00:37:45: Das waren zumindest die Idee Lenise der frühen Bolschewisten.
00:37:48: Sie wissen dass das bei Stalin etwas anders gelagert war.
00:37:52: aber den Anfbruch sozusagen alle Werktätigen durch das Licht des Ostens zu erhelmen Und der Menschheit, die Befreiung von allen Gebrechen zu bringen durch die Revolution ist eigentlich auch unter Stalin weitestgehend erhalten geblieben.
00:38:08: Und damit komme ich zum vierten und letzten Teil also nur noch zehn Minuten Russland Europa heute Heute mit dem Fragezeichen bei aller Vorsicht Ich bin historiker kein Prophet und keinen Zukunftsforscher Auch eigentlich kein Gegenwartforsche aber ich verfolge natürlich die Gegenwart Die Blick des Historikers, wie ich sie auch hier versucht habe ihnen ein bisschen zu vermitteln.
00:38:34: Nach der Befreiung Russlands und seiner Satellitenstaaten vom Bolschewismus sah es für eine kurze Zeit so aus als würde das postsevertische Russland einen vierten Anlauf in Richtung Europa unternehmen.
00:38:49: Ich rede noch einmal an den schon zitierten Ausbruch Gorbatschows Auch Russland sei ein Glied des gemeinsamen europäischen Hauses wird heute nicht mehr zitiert in Russland.
00:39:01: Doch mittlerweile sind alle damit verbundenen Hoffnungen und Erwachtungen verflogen, zur Enttäuschung vieler Europäer aber auch vieler russischer Europafreunde denn es ist Kabarin Russland damals sehr viele die darauf gehofft hatten.
00:39:16: Und vielleicht erinnern Sie sich an den Austritt der Russländischen Föderation aus dem Europa-Rat im März zwanzig zweiundzwanzig?
00:39:24: Damit ist die Abkehr von Europa zumindest institutionell dokumentiert und zum Fakt geworden.
00:39:33: Richtig ist bei alledem aber auch, das muss ich nun ein bisschen einschränkend sagen dass die naiven Erwartungen eines reibungslosen Anschlusses an das westliche Modell wie sie damals im Westen gehegt wurden von Anfang an illusorisch waren.
00:39:52: Der Westen hat im Rahmen seiner Aufbruchseuforie von viel zu wenig Rücksicht genommen auf die fundamentale Verunsicherung der postsovertischen russischen Gesellschaft und er hat auch fatale Fehler begangen.
00:40:07: Er hat auch psychologische Fehler begonnen, vielleicht erinnern sie sich an das törichte Diktum von Präsident Obama Russland sei nur noch eine Zweitragierregionalmacht, die können man gar nicht mehr ernst nehmen.
00:40:18: da gäbe es wichtigere Staaten Ukraine oder Kassachstan.
00:40:22: Das war töricht und bündig und hat viel Porzellanz erschlagen.
00:40:27: Und ich muss es noch einmal betonen, die russische Gesellschaft ließ sich eben nicht übergangslos von einem totalitären Zwangssystem in eine Bürgergesellschaft nach westlichem Vorbild ummodeln und auch das nochmal gesagt westliche Überheblichkeitsallüren, die sich nicht selten einer kolonialistischen Bevormundung ernährten.
00:40:50: nach dem Motto, die müssen das ja mal so machen wie wir es uns entschieden haben.
00:40:54: Tugen wesentlich dazu bei dass viele Repräsentanten der postzweiligen Gesellschaft einer in historischer Perspektive vierten Hinwendung zu Westeuropa mit wachsenden Vorbehalten begegneten.
00:41:05: Das sozusagen die Vorgeschichte eines Abkehres des aktuellen Russlands von Europa.
00:41:10: und solche Vorbehalte haben sich mittlerweile zu einer regelrechten Verabschiedung von Europa verdichtet und von einer Absage großer Teile Europas von Russland.
00:41:22: Und niemand vermag auch hier zu sagen, wann und ob überhaupt sich die Wege Russlands und Europas wieder einander annähern.
00:41:31: Gestatten Sie mir daher zum Fluss noch so etwa vier Minuten einen Blick zu werfen auf Russlands aktuellen Abschied von Europa?
00:41:41: Wie sieht der eigentlich aus?
00:41:43: Könnte man viel sagen?
00:41:45: ich habe drei Ebenen in mir mal überlegt, auf dem man diesen Abschied namhaft machen kann eine gesellschaftspolitische Ebene, eine ideologische Ebne und eine geopolitische Ebde.
00:42:00: Erstens Gesellschaftspolitisch ist Russland heute weit hinter das zurückgefallen was dort unter Gorbatschow und auch unter Yeltsin und auch unterm frühen Putin an politischen Grundwerten europäischer Prägung noch oder schon einmal vorhanden war Also zum Beispiel relative Meinungsfreiheit, Medienpluralismus, Freiröme für politische Opposition.
00:42:23: Das gibt es alles nicht mehr.
00:42:25: Stattdessen wird dieser Herr jetzt verehrt.
00:42:29: Sie wissen alle wer das ist?
00:42:31: Stalin!
00:42:32: Es gibt in den letzten drei Jahren oder dreieinhalb Jahre über dreihundert Starlin-Statuen.
00:42:37: Es gibt auch die Rückbenennung des Flughafens von Wölkow grad ins Starlingrad also eine eindeutige Bezugnahme auf auf einen wirklich nicht europäische Wertevertrag.
00:42:49: Stattdessen wird also die Welt des Westens, unsere Lebenswelt, die Welt selbst verantworteter Persönlichkeitsentwicklung konstant herabgesetzt.
00:43:01: Russland rangiert stattdessen als ein eigenständiger Kulturkosmos mit eigenen Überlieferungen und mit besonderen moralischen Normen Zum Beispiel Spiritualität und Kontemplation, Gemeinschaftlichkeit und Kommunitarismus, Idealismus und bedingungslose Wertschätzung der orthodoxen Religion die als zentraler Kulturfaktor der russischen Geschichte gilt.
00:43:25: Und all das gilt als prinzipiell unvereinbar mit dem Anspruch des Westens seine eigenen Ansprüche und Vorgaben auch für Russland in Geltung sehen zu wollen.
00:43:35: Man will das nicht?
00:43:37: Man muss es ja auch nicht wollen!
00:43:39: Aber sozusagen das verweist schon auf die zweite Ebene, die ideologische Ebene der Abkehr Russlands von Europa.
00:43:47: Die Herabwürdigung des von Putin sogenannten kollektiven Westens ist ein Begriff, der immer wieder kehrt bei ihm, der Kollektive Westen.
00:43:55: Dazu gehören alle Möchchen dazu also Deutschland und Amerika und England aber auch naja also Europa.
00:44:02: Also die Habwürdigung des von putin so genannten kollekten Westens im neunzehnten Jahrhundert begegnet.
00:44:11: Sie erinnern sich an die drei Herren mit den Bärten, auch dort war man ja überzeugt von der prinzipiellen Überlegenheit des russischen Weges vor dem westlichen Weg.
00:44:24: heute wird dieser russische Weg zu einem Dogma überhöht zum dogma einer russischem welt.
00:44:30: hier sehen sie zwei Vertreter dieses dogmas.
00:44:38: Ich glaube zum neunzigsten oder zum fünfundachtigsten Geburtstag gratuliert.
00:44:43: Immerhin, immerhin!
00:44:48: Zur ideologischen Rechtfertigung dieser russischen Welt.
00:44:52: Buskimir wird nun auf ein historisches Gebilde zurückgegriffen das vor achthundert Jahren aufgehört hat zu existieren.
00:45:02: Das ist das Gebilde der Kyber Rus.
00:45:05: Wie sehen Sie hier?
00:45:07: Es ist auch deshalb so Schwammig dargestellt, weil das kein Staat war.
00:45:11: Es hatte keine Grenzen.
00:45:12: Das war ein locker zusammengefügter Territorialverband, dessen Grenzen ständig fließend waren.
00:45:19: Man konnte es kratographisch gar nicht nachstellen, weil sich alle zwei Jahre etwas veränderte.
00:45:26: Was war dieses Kiervarus?
00:45:27: Diese Kiervarus bestand vom zehnten bis zum dreizehnten Jahrhundert also vor dem Mongolen-Einfall für die drei ostlawischen Stämme – die Russen die Belarus und die Ukraine.
00:45:41: Es war die Klammer eines locker verbundenen Territorialverbandes, ich sagte schon mit ganz unbestimmten Grenzvorläufen.
00:45:49: Und die Ideologen einer russischen Welt leiten daraus nun ihre Forderung nach Beherrschung aller drei Gebiete durch Russland ab.
00:45:58: Russland gilt wie zu Zeiten des Panzlawismus als Führungsmacht der ostlawischen Welt dessen kulturelle Überlegenheit Russland zum Ausgriff in benachbarte Regionen berechtige.
00:46:11: Das sozusagen die Dogma oder die Fiktion und ich sage immer, naja das ist eine achthundert Jahre alte Ideologie.
00:46:21: Dass es viel passiert seit achthundert Jahren können wir gleich diskutieren.
00:46:26: Wir sind damit nämlich abschließend bei der dritten Ebene der geopolitischen Ebene.
00:46:31: Russlands aktuelle Abwendung von Europa geht einher mit einer wachsenden Hinwendung, ja, zu Asien.
00:46:41: Hier sehen Sie das symbolische Bild, das ikonische Bild im Februar zwanzig zweiundzwanzig kurz vor dem Überfall auf die Ukraine, Vereinbarten Putin und Ksychen Pink – das ist der Herr hier links – einen sogenannten Joint Statement.
00:46:57: Was stand da drin?
00:46:58: Nun, der Sarin vorgetragene liest sich wie eine bewusste Kampfansage an die Prinzipien der freien Welt.
00:47:04: Der Freien Welt des Westens.
00:47:06: Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung.
00:47:10: Demokratie, Menschenrechte, Pluralismus, offene Gesellschaft bei gleichzeitiger Bindung des Einzelnen an die sozialen Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber alters spielt keine Rolle wird bewusst ausgeklammert es wird auch bewusst sozusagen herabgesetzt.
00:47:26: dagegen propagierten Putin und Xi Jinping in diesem Joint Statement die Variabilität aller Wertvorstellungen.
00:47:36: Sie verwarfen die Allgemeingültigkeit naturrichtiger Normen, vor allem auch völkerrechtlicher Garantien.
00:47:44: Und das sind nach wie vor Voraussetzungen friedlich im Zusammenlebens der Menschen untereinander.
00:47:52: Ja noch, meine Damen und Herren ist nicht ausgemacht Ob diese Hinwendung zu Asien, übrigens einschließlich Iran und Nordkoreas – die wir Sie wissen, Putinskrieg gegen die Ukraine ja aktiv unterstützen.
00:48:09: Ob also diese Hinwendungen zur Asien dauerhafte Nachhaltigkeit besitzen wird?
00:48:15: Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube doch dass die Sehnsuchtziele vieler russischen Bürger diese asiatische Wendung nicht unbedingt Schätzen, man richtet sich doch nicht nach Pyongyang oder nach Teheran.
00:48:29: Doch will doch kein große Urlaub machen sondern nach Europa.
00:48:32: Man will in die Welt des Westens In die Welt seiner Mektro-Mitropole Nach London, nach Rom, nach Paris und nach Monaco.
00:48:39: Man will die Attraktionen des Westends genießen Und man will sie davon ausstrahlen Lebensformen auch sozusagen einatmen.
00:48:46: Das letzte Wort im Verhältnis Russlands zu Europa ist also noch lange nicht gesprochen Denn der Historiker weiß Vieles nicht, aber eines weiß er ganz bestimmt.
00:48:59: Die Zukunft ist immer offen!
00:49:01: Das war's.
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